Leuchtgebiete

Mallorcas alte Wachtürme dienten zur Abwehr von Piraten. Nun sollen sie renoviert und zugänglich gemacht werden – mit Aussichtsgarantie.

 

Süddeutsche Zeitung, 25.4.2017 · Anfang dieses Jahres ging ein Leuchten um Mallorca. 24 alte Wachtürme sandten nacheinander ein Lichtsignal aus. Rote Punkte glühten auf, im Dunkel der Nacht, und erloschen kurz darauf wieder. Es war ein Test. Ein paar Mallorquiner wollten wissen, ob das einstige Überwachungssystem an der Küste noch funktionierte. Das tat es. “Wir wollten auf den schlechten Zustand der Türme aufmerksam machen”, sagt der Mathematiklehrer Pep Lluís Pol, einer der Veranstalter der Leuchtfeuer-Aktion. “Sie müssen erhalten bleiben, denn sie gehören zu unserem historischen, landschaftlichen und emotionalen Erbe.”

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Die Geier kreisen wieder. Mallorquiner retten den Mönchsgeier

BR Radio Reisen, 9. Oktober 2016 (ab Min. 29’14) · Es ist der größte Greifvogel Europas und fast wäre er ausgestorben: Der Mönchsgeier. Auf Mallorca gibt es die einzige Inselpopulation dieser eleganten Flugkünstler. Doch gnadenlose Verfolgung durch unwissende Bauern und der Vormarsch des Tourismus machten den Aasfressern zu schaffen. Wie es die Mallorquiner geschafft haben, den Mönchsgeier vor dem Verschwinden zu retten, ist eine rare Erfolgsgeschichte im Spannungsfeld Mensch und Natur.

Mönchsgeierpaar an der Küste Mallorcas. Fotos: Conselleria Medi Ambient, Govern Balear

http://www.br.de/radio/bayern2/kultur/radioreisen/spitzbergen-kreuzfahrt-muellsammeln-plastik-100.html

 

Im Gegenwind

Vielerorts ist der Mönchsgeier ausgestorben. Ausgerechnet auf der Touristeninsel Mallorca hat er überlebt.

Ein Mönchsgeier (links), neben einem Gänsegeier in den Bergen Mallorca. Foto: Sebastià Torrens
Ein Mönchsgeier (links), neben einem Gänsegeier in den Bergen Mallorca. Foto: Sebastià Torrens

Süddeutsche Zeitung, 4.8.2016 · Immer, wenn Martí Solivellas den Geier über seinem Haus kreisen sieht, wird ihm warm ums Herz. “Sehen Sie?”, sagt Solivellas und deutet nach oben, “was für eine Spannweite!” Um den Bauern herum laufen seine zwei Collies, Solivellas aber hat nur Augen für den Mönchsgeier. “Der hat heute eine gute Thermik da oben.” Der Bauer kneift die Augen zusammen, sieht genauer hin. Nun klingt er etwas beunruhigt. “Normalerweise sind sie immer zu zweit unterwegs.” Heute ist der Geier allein.

Martí Solivellas und seine Frau Antònia Bibiloni leben denn auch wortwörtlich allein unter Geiern. Alle Nachbarn sind weggezogen, erzählt das Bauernehepaar. Der Hof steht in einem geschlossenen Hochtal im Norden Mallorcas, nur vier Kilometer vom Pilgerkloster Lluc entfernt. Rund herum ragen die höchsten Berge der Insel in den blauen Himmel. Und zwischen den Gipfeln, über Olivenplantagen, Gemüsebeeten und Obstbäumen, über einem Dreschplatz und unbebauten Feldern, über Schafen, Hühnern und Gänsen, über dem Blumengarten und dem alten Bauernhaus, wo das Paar seit fast 40 Jahren lebt, da kreist, mit einer Spannweite von fast drei Metern, entspannt ein Mönchsgeier.

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Buchtenwandern in der Tramuntana

Foto: Tom Gebhardt

Banyalbufar (dpa) 17.9.2013 · Es riecht nach Kiefern und trockenen Gräsern, der Blick streift über das weite Blau des Mittelmeers. Während der Wind den Schweiß auf der Stirn trocknet, geht es das letzte Stück des Alten Postweges hinab. Die schmale Asphaltstraße ist hier sehr steil, fast scheint sie im blauen Nichts zu münden. Esel knabbern am Wegrand, unbeirrt von dem atemberaubenden Meerblick, Tomaten und Trauben reifen im Licht der untergehenden Sonne. Wer die letzten Meter hinter sich hat, taucht in der steinigen, geschützten Bucht von Banyalbufar ins Wasser.

Banyalbufar liegt an Mallorcas steiler Westküste. Die Landstraße Ma-10 durchzieht den gesamten, 90 Kilometer langen Tramuntana-Gebirgsrücken von Andratx bis Pollença. Die ersten Kilometer im Südwesten führen durch die verkohlten Reste des verheerenden Waldbrandes von Mitte August. Mehr als 2000 Hektar Fläche wurden damals zerstört. Fast tröstlich ist da der Blick auf das Meer, das auf der linken Seite beständig ruht.

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Die wilde Seite Mallorcas

Unterwegs in der Serra de Tramuntana

Der Bergrücken am Meer ist Welterbe der Unesco. Mallorcas Lebenskultur ist dort spürbar

Erschienen in der NZZ am Sonntag, 8.4.2012

Velo- und Cabriofahrern, Badenixen und Bergfexen war sie schon lange ein Heiligtum. Seit letztem Juni ist es offiziell: Mallorcas Serra de Tramuntana, der 90 Kilometer lange Gebirgszug zwischen Andratx und Pollença, ist Welterbe der Menschheit. Die Unesco hat ihre Gipfel und Schluchten, ihre Höfe und Buchten unter Schutz gestellt.

Auf dem rund 1100 Quadrat­kilometer grossen Gebirgsrücken stehen jahrhundertealte Bergbauernhöfe, umgeben von Terrassen, handgeschichteten Trockenmauern und Wasserkanälen arabischen Ursprungs. Wer zum Beispiel den alten Postweg von Esporles nach Banyalbufar geht, dem öffnet sich auf halber Strecke ein Blick über weitläufige Terrassenfelder, welche die Umayyaden vor rund tausend Jahren erstmals angelegt haben. Sie schmiegen sich in das Land am Meer und ermöglichen an den Steilhängen der Westküste den Anbau von Tomaten, Wein oder Zitrusfrüchten.

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