Spätfolgen königlicher Seitensprünge

Spaniens Justiz lässt erstmals eine Vaterschaftsklage gegen Altkönig Juan Carlos zu

Zwei angebliche uneheliche Kinder des einstigen Königs und Schwerenöters Juan Carlos könnten Spaniens Monarchie aus den Fugen geraten lassen. 

NZZ am Sonntag, 18.1.2015 · Spaniens bedrängte Monarchie ist mit neuen Skandalen konfrontiert. Es geht um die früheren Seitensprünge von Altkönig Juan Carlos und deren juristische Aufarbeitung. Der Oberste Gerichtshof hat diese Woche eine Vaterschaftsklage gegen den letzten Sommer zurückgetretenen Regenten zugelassen. Der 77-Jährige hat nun 20 Tage Zeit, um darauf einzugehen. Bestreitet er den Vorwurf, muss er sich voraussichtlich einem DNA-Test unterziehen. Die Klägerin, die 48-jährige Belgierin Ingrid Sartiau, behauptet, 1965 von Juan Carlos gezeugt worden zu sein – in einem Hotel an der Costa del Sol.

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Urdangarin muss weg

War einmal: Urdangarin steht im Madrider Wachsfigurenkabinett nicht mehr neben seiner Frau Cristina de Borbón. Foto: Cristóbal Manuel/El País

Der Schwiegersohn des spanischen Königs hat mehr als 16 Millionen Euro veruntreut. Der Skandal um Iñaki Urdangarin weitet sich nun aus: Eine Anklage steht bevor und seine Frau, die Infantin Cristina, wird sich entscheiden müssen. Das Königshaus distanziert sich von dem Fall. Zu spät, sagen Beobachter: Der Schaden für die spanische Monarchie sei  «äußerst schwerwiegend».

 Als König Juan Carlos jüngst mit einem Veilchen in der Öffentlichkeit auftrat, hatte das Symbolcharakter. Der Monarch sei im Palast gegen eine offene Tür gelaufen, hieß es. Doch nicht nur der häusliche Unfall bereitet dem fast 74-Jährigen Schmerzen. Seit rund vier Wochen gelangen Fakten zu illegalen Geschäfte seines Schwiegersohnes Iñaki Urdangarin ans Licht. Der Ehemann der jüngsten Königstochter Cristina de Borbón ist der Veruntreuung öffentlicher Gelder, Vorteilsbeschaffung, Bestechung und Dokumentenfälschung verdächtigt, Delikte, die in Spanien mit mindestens 15 Jahren Haft bestraft werden. Anfang kommenden Jahres soll der ehemalige Handballprofi angeklagt werden und den Verbleib von rund 16 Millionen Euro aufklären, die er und sein Geschäftspartner zwischen 2004 und 2007 von mehr als 100 Auftraggebern kassiert haben.

Die beiden boten über ihre gemeinnützige Stiftung Noos – auch im Namen ihrer Königlichen Hoheit, der Infantin Cristina, sowie eines Angestellten des Königshauses , Consulting-Dienste und Kontaktvermittlungen an, die überproportioniert bezahlt wurden. Urdangarin zog dabei Nutzen aus seiner angeheirateten Position. Das Geld brachten sie in Steuerparadiese oder legten es in Immobilien an. Zu den Kunden gehören auch Rathäuser und Regionalregierungen, die die Dienste mit Steuergeldern bezahlten.

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