Verarmte Familie stirbt an giftiger Mahlzeit

In Sevilla ist eine mittellose Familie nach dem gemeinsamen Abendessen gestorben. Die Todesursache ist unklar. Anwohner protestieren gegen die grassierende Armut.

NZZ, 20.12.2013 · Eine Tragödie hat sich kurz vor Weihnachten in einem Vorort von Sevilla abgespielt. Drei Mitglieder einer vierköpfigen Familie sind dort in der Nacht des 14. Dezembers umgekommen, nachdem sie gemeinsam zu Abend gegessen hatten. Laut ersten Untersuchungen erlagen der 61-jährige Vater, die 50-jährige Mutter und eine 14-jährige Tochter einer Fischvergiftung. Die zweite, 13-jährige Tochter überlebte mit leichten Symptomen. Die Autopsie der Verstorbenen legte nun andere Spuren.

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Pferde gehen vor die Hunde

Noch ein Krisensymptom in Spanien: Während Tierschützer und Reitstallbesitzer vom schlimmsten Moment aller Zeiten sprechen, hat ein Verbraucherverband erstmals Pferdefleisch in den heimischen Hamburgern entdeckt.

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NZZ, 6.2.2013 · Südspanien ist ein Paradies für Pferdeliebhaber. Kartäuser, Andalusier und andere iberische Rassen sind allenthalben zu bewundern: bei der Feria de Sevilla, bei den Dressurschauen der Königlich-Andalusischen Reitschule in Jérez de la Frontera oder an einem der langen Sandstrände von Cádiz, wo Touristen ihren Traum vom Ausritt in freier Natur verwirklichen.

Pferd noch nicht auf der Karte

Doch die Idylle trügt. Viele Pferdebesitzer in Spanien können sich ihr Hobby nicht mehr leisten. Immer mehr Tiere landen deshalb im Schlachthof. Die Zahl hat sich von knapp 30 000 im Jahr 2009 auf geschätzte 80 000 für 2012 gesteigert, wie das spanische Umweltministerium jüngst bekanntgab.

Die meisten geschlachteten Pferde und Fohlen waren weder krank noch alt – sie waren ihren Besitzern einfach zu teuer geworden. In Andalusien, wo die Tradition von den Arabern übernommen wurde und wo es sehr viele Pferde gibt, ist das Drama besonders spürbar: Ein Drittel aller landesweit geschlachteten Reittiere liess dort das Leben. In Sevilla waren es vergangenes Jahr bis zu 500 Pferde pro Woche. Es fiel so viel Fleisch an, dass der Zentralmarkt für Grosshändler, Mercasevilla, vorübergehend schliessen musste. Pferdefleisch steht aber (noch) nicht auf der Speisekarte der Spanier. Ein Teil des Fleisches wird derzeit zu Hunde- und Katzenfutter verarbeitet oder nach Frankreich oder Italien exportiert.

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Sevilla: Eine Stadt sucht sich selbst

Trotz der gegenwärtigen Baukrise wächst in Sevilla ein 180 Meter hoher Turm in den Himmel. Sein Schöpfer, der Architekt César Pelli, spricht von einem Schritt ins 21. Jahrhundert. Die Unesco sieht das anders und sagt warnend, das Hochhaus gefährde das Welterbe der Stadt.

NZZ, 10.8. 2012 · Eine Grossbaustelle in einer Geisterstadt entzweit die Bewohner von Sevilla. Auf der Cartuja-Insel wächst seit vier Jahren ein Büroturm gemächlich in den Himmel. Dort, wo vor 20 Jahren die Weltausstellung stattfand und heute ein Erlebnispark, mehrere Universitätsgebäude, ein grosser, runder Bürobau und viele ungenutzte Expo-Pavillons stehen, soll bald schon das neue Wahrzeichen der Stadt 180 Meter hoch in den Himmel weisen. Sein Erbauer, der argentinische Architekt César Pelli, hat den Wolkenkratzer Sevillas Schritt ins 21. Jahrhundert genannt. Doch die Unesco sieht das anders und will den Bau stoppen, denn er stelle das historische Zentrum in den Schatten – eines der grössten und besterhaltenen Europas, wo drei Gebäude zum Welterbe der Menschheit gehören: die Kathedrale mit ihrem knapp 100 Meter hohen Glockenturm, der bis vor kurzem das höchste Bauwerk Sevillas war. Der Giralda genannte Turm wurde vor mehr als 800 Jahren von den Mauren als Minarett errichtet. Auch das Archivo General de Indias, ein Renaissancebau, in dem Spaniens Kolonialgeschichte dokumentiert ist, und der Königspalast Alcázar stehen unter Unesco-Schutz.

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«Alfonso will nur mich»

Spanien blickt auf ein groteskes Grossereignis

Die 85-jährige Herzogin von Alba heiratet am 5. Oktober einen 24 Jahre jüngeren Beamten. Die sechs Kinder der Braut forderten zuerst ihr Erbe, und die Bevölkerung dichtet Spottlieder.

Brigitte Kramer, Neue Zürcher Zeitung, 5.10.2011

Sie ist adliger als König Juan Carlos, doch keine Krone ziert ihr Haupt. Die Herzogin von Alba, Trägerin von mehr als 70 Titeln, ist dafür Spaniens Society-Queen. Sie ist eigenwillig, temperamentvoll, umstritten, nicht immer stilsicher und derzeit noch öfter in der Presse als gewöhnlich. Denn María del Rosario Carolina Cayetana Paloma Alfonsa Victoria Eugenia Fernanda Teresa Francisca de Paula Lourdes Antonia Josefa Fausta Rita Castor Dorotea Santa Esperanza Fitz-James Stuart y de Silva Falcó y Gurtubay, so heisst die Chefin des Hauses Alba offiziell, ist verliebt. Continue reading