Glücksmomente unter Wasser

Die Schriftstellerin Sabina Berman steht für den Aufbruch und das Selbstbewusstsein mexikanischer Frauen

Sabina Berman schildert in ihrem Roman «Die Frau, die ins Innerste der Welt tauchte» den Weg einer Autistin zu wirtschaftlichem Erfolg und gesellschaftlichem Verantwortungsbewusstsein. Dabei plädiert die mexikanische Schriftstellerin jüdischer Herkunft für Toleranz, Freiheit und Achtung vor der Natur.

Brigitte Kramer, NZZ

Dass ausgerechnet eine Frau wie Sabina Berman eine Autistin zur Romanheldin macht, das überrascht anfangs. Denn die 54-jährige Mexikanerin ist in ihrer Heimat eine der kommunikativsten und gesellschaftlich aktivsten Frauen überhaupt. Als Fernsehjournalistin interviewt sie Politiker und Wissenschafter, als Dramaturgin, Drehbuchautorin und Kolumnistin macht sie sich für die Rechte von Frauen und gleichgeschlechtlichen Paaren stark, als Dichterin und Romancier verarbeitet sie ihre eigene Identitätsfindung. Berman ist, das steht ausser Frage, eine freie und intelligente Frau.

Die Heldin von Bermans zweitem Roman «Die Frau, die ins Innerste der Welt tauchte» ist noch freier und intelligenter, wie die Autorin selber sagt. Karen Nieto ist Autistin. Die Krankheit zeigt sich bei Störungen im zwischenmenschlichen Handeln sowie bei der Wahrnehmung und Verarbeitung von Information. Sie existiert in verschiedenen Schweregraden und geht oft mit einseitigen, aussergewöhnlichen Begabungen einher. Sigue leyendo