“Wer will dann hier noch Urlaub machen?”

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Die Rohbauruine des Hotels “As”: 20 Etagen, hunderte Zimmer mit unverglasten Fenstern. Isoliermaterial liegt auf dem Kiesstrand herum.

Montenegro: Das junge Land an der südlichen Adria wirbt mit unberührter Natur. Doch idyllische Buchten sind bedroht durch Korruption und Vetternwirtschaft.

Süddeutsche Zeitung, 31.7.2018 · Wenn man mit Dušan Varda die Küste entlangfährt, muss man sich Zeit nehmen. In vielen Orten kennt er jemanden. Er grüßt, bleibt auf der Straße stehen, hält Schwätzchen. Viele seiner Bekannten sympathisieren mit Vardas Sache: Der 50-Jährige ist Umweltaktivist, Taucher, Filmemacher. Angeblich kennt niemand Montenegros 300 Kilometer lange Küste besser als er. Genau deshalb ist Varda besorgt. “Die Regierung bemerkt anscheinend nicht, dass wir immer weniger Strände und immer mehr Beton haben”, sagt Varda, “sie denkt wohl, unsere Küste ist endlos.”

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Raum der Zukunft

Barcelona platzt aus allen Nähten: Um die Touristen besser auf die Stadt zu verteilen, werden neue Attraktionen geschaffen. Das Designzentrum Disseny HUB ist wohl die anspruchsvollste.

Das Designmuseum, die Torre Agbar und im Vordergrund die Installation BruumRuum!.
Das Designmuseum, die Torre Agbar und im Vordergrund die Installation BruumRuum! Foto: museudeldisseny.cat

Süddeutsche Zeitung, 27.8.2015 ·Auf der Plaça de les Glòries Catalanes, dem Platz katalanischer Errungenschaften, versteht man, wohin sich Barcelona entwickelt: Wo einst zwölf Monumente den Stolz regionaler Kultur und Geschichte versinnbildlichten, stehen heute zwei wegweisende Gebäude. Der von Jean Nouvel entworfene, bunt schimmernde Agbar-Turm mit knapp 60 000 Glasplättchen und 4500 LED-Projektoren an der Fassade symbolisiert Barcelonas eitle Lust an der Selbstdarstellung. Daneben steht, grau und wie ein beflissener Butler, das Disseny HUB Barcelona (DHUB). Es beherbergt unter anderem das Museu del Disseny. Dieses zeigt auf vier Etagen und mittels 7000 Objekten, wie die Stadt zu ihrem Ruf als Designmetropole gelangt ist – und wie stark industrielle Produktion und Gestaltung Barcelonas Selbstverständnis prägen.

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«Die Ströme des Windes verbreiten Orangeaden»

Neue Literatur-Routen auf Mallorca. Die  App «Walking on Words» vermittelt mit 72 Zitaten an Ort und Stelle, was andere vor uns gedacht und gespürt haben.
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Ort literararischer Handlung: Der Strand von Colònia de Sant Pere. Foto: WoW

Mallorca Zeitung, 17.6.2015 · Carme Castells denkt und liest gerne. Deshalb hat die Leiterin der Stiftung Dichterhäuser auch den perfekten Job. Ihr Büro ist in Binissalem, dort, wo einst Llorenç Villalonga (1897-1980), Psychiater und Schriftsteller aus Palma, die Sommer verbrachte. Auch die Dauerausstellung zu Blai Bonet (1926-1997) im Kulturzentrum Ses Cases Noves von Santanyí und das Geburtshaus von Rafel Ginard (1899-1976) in Sant Joan verwaltet sie. Die drei Autoren stehen für das literarische Mallorca des 20. Jahrhunderts. Ihr Erbe wollte die Literaturwissenschaftlerin wahren. Als sie vor sieben Jahren in Binissalem anfing, brachte sie Leben in die alten Gemäuer. Castells stellte ein umfangreiches Kulturprogramm für Kinder und Erwachsene auf die Beine, inklusive Weinverkostungen, Lesungen und Führungen in mehreren Sprachen.

Das alleine reicht ihr jetzt nicht mehr. Ab sofort gibt es „Walking on Words”. Das Projekt hat sie sich ausgedacht: Sieben Literatur-­Routen in vier Sprachen führen quer über die Insel. 72 literarische Zitate kann man dabei mit dem Handy am Ort ihres Geschehens hören (und lesen). „Wir haben eine Möglichkeit gesucht, Mallorcas immaterielles Kulturerbe bekannter zu machen”, sagt Castells.

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