Die Geier kreisen wieder. Mallorquiner retten den Mönchsgeier

BR Radio Reisen, 9. Oktober 2016 (ab Min. 29’14) · Es ist der größte Greifvogel Europas und fast wäre er ausgestorben: Der Mönchsgeier. Auf Mallorca gibt es die einzige Inselpopulation dieser eleganten Flugkünstler. Doch gnadenlose Verfolgung durch unwissende Bauern und der Vormarsch des Tourismus machten den Aasfressern zu schaffen. Wie es die Mallorquiner geschafft haben, den Mönchsgeier vor dem Verschwinden zu retten, ist eine rare Erfolgsgeschichte im Spannungsfeld Mensch und Natur.

Mönchsgeierpaar an der Küste Mallorcas. Fotos: Conselleria Medi Ambient, Govern Balear

http://www.br.de/radio/bayern2/kultur/radioreisen/spitzbergen-kreuzfahrt-muellsammeln-plastik-100.html

 

Im Gegenwind

Vielerorts ist der Mönchsgeier ausgestorben. Ausgerechnet auf der Touristeninsel Mallorca hat er überlebt.

Ein Mönchsgeier (links), neben einem Gänsegeier in den Bergen Mallorca. Foto: Sebastià Torrens
Ein Mönchsgeier (links), neben einem Gänsegeier in den Bergen Mallorca. Foto: Sebastià Torrens

Süddeutsche Zeitung, 4.8.2016 · Immer, wenn Martí Solivellas den Geier über seinem Haus kreisen sieht, wird ihm warm ums Herz. “Sehen Sie?”, sagt Solivellas und deutet nach oben, “was für eine Spannweite!” Um den Bauern herum laufen seine zwei Collies, Solivellas aber hat nur Augen für den Mönchsgeier. “Der hat heute eine gute Thermik da oben.” Der Bauer kneift die Augen zusammen, sieht genauer hin. Nun klingt er etwas beunruhigt. “Normalerweise sind sie immer zu zweit unterwegs.” Heute ist der Geier allein.

Martí Solivellas und seine Frau Antònia Bibiloni leben denn auch wortwörtlich allein unter Geiern. Alle Nachbarn sind weggezogen, erzählt das Bauernehepaar. Der Hof steht in einem geschlossenen Hochtal im Norden Mallorcas, nur vier Kilometer vom Pilgerkloster Lluc entfernt. Rund herum ragen die höchsten Berge der Insel in den blauen Himmel. Und zwischen den Gipfeln, über Olivenplantagen, Gemüsebeeten und Obstbäumen, über einem Dreschplatz und unbebauten Feldern, über Schafen, Hühnern und Gänsen, über dem Blumengarten und dem alten Bauernhaus, wo das Paar seit fast 40 Jahren lebt, da kreist, mit einer Spannweite von fast drei Metern, entspannt ein Mönchsgeier.

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Mönchsgeier ohne g

Ich weiß, der Mönchsgeier ist ein seltener Greifvogel, der auf Mallorca seit Jahren erfolgreich eingebürgert wird und einen langen Post verdient hätte. Irgendwann mal.

Heute geht es um die Mönchsgeier ohne g. Sie haben meinen ganzen Respekt verdient. Sie rühren mich und sie sind wunderbar – sauber und datiert, von Hand.

Genug der Spannung.

Im Eisenwarenhandel unserer Dorfes gibt es die besten HÜHNEReier der Insel, subjektiv betrachtet, klar. Händlerin Mari bekommt sie an unbestimmten Tagen der Woche geliefert («Komm morgen wieder, heute war er nicht da!»). Sie versteckt den Korb sofort unterm Trese (Gesundheitsbehörde, Salmonellen …). Ein Mönch scheint sie ihr zu bringen. Er lebt mit seinen Ordensbrüdern offenbar irgendwo im Umland. Habe aber noch nirgendsnichtkein Kloster o.ä. entdecken können, geschweige denn einen Mönch. Naja, sind wohl auch nicht mehr viele.

Die Eier sind nicht nur bio, groß und lecker, sie sind auch sauber und datiert. Was auf den ersten Blick aussieht wie der Stempel einer Hühnerfabrik ist bei genauem Hinsehen ein ganz normaler Datumsstempel.

Das war eine Entdeckung! Da lief gleich ein ganzer Film ab: Mönch grabscht unter einem Busch ein schmutziges Ei hervor, hier und dort, wäscht  und bestempelt alle mit weichen, sauberen Händen.

Dann bringt er sie der Mari, wie frisch gewaschene und frisierte Kinder.

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