Ein Land im Standby-Modus

Mehr als zwei Monate nach den Wahlen hat Spanien noch immer keine Regierung

NZZ am Sonntag, 28.2.2016 · Der Sozialist Pedro Sánchez wird diese Woche wohl mit einer Regierungskoalition scheitern. Das Land steuert auf Neuwahlen Ende Juni zu.

Ab Dienstag wird sich entscheiden, ob die Spanier erneut an die Urnen müssen. Die Parlamentswahlen vom 20. Dezember haben dem Land das Ende des Zweiparteiensystems beschert und die Politiker vor neue Herausforderungen gestellt. Galt es bisher, den Gegner zu diskreditieren, müssen nun vier Formationen die Bildung einer Regierung aushandeln: die konservative Volkspartei PP, die sozialistische Arbeiterpartei PSOE und die beiden Newcomer-Parteien Ciudadanos (Bürger) und Podemos (Wir können). Sie erhielten 13,9 beziehungsweise 20,7 Prozent der Stimmen.

So bunt war das Parlament noch nie. Die Sitzverteilung nach den Wahlen am 20. Dezember 2015. Quelle: elempresarial.com
Überdruss im Volk

Anfangs war die Situation spannend, doch nach mehr als zwei Monaten Verhandlungsmarathon macht sich bei den Spaniern Überdruss breit. Alles deutet auf Neuwahlen am 26. Juni hin. Denn ein mehrheitsfähiger Pakt wird sich wohl nicht mehr ergeben.

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Spaniens jugendliche Spitzenpolitiker

Zwei junge Parteien bringen die spanische Polit-Elite in Bedrängnis. Eine neue politische Kultur prägt den vorweihnachtlichen Wahlkampf in Spanien.

Albert Rivera, Pedro Sánchez und Pablo Iglesias (v.li.) vor einem ihrer Fernsehauftritte. Foto: eldiario.es

NZZ am Sonntag, 13.12.2015 ·  Nächsten Sonntag, vier Tage vor Heiligabend, werden die Spanier ein neues Parlament wählen, und schon alleine der Wahlkampf ist ungewöhnlich. Dem medienscheuen Regierungschef Mariano Rajoy stehen gleich drei Herausforderer gegenüber, die allesamt betont salopp auftreten: der Sozialist Pedro Sánchez, Pablo Iglesias von der Partei Podemos und Albert Rivera von den Ciudadanos. Sie sind junge, telegene Akademiker. Sie präsentieren sich als hemdsärmelige Macher. Mit Schlagfertigkeit steigern sie Einschaltquoten und Klickzahlen. Es sind erst die zweiten Parlamentswahlen seit den Protestbewegungen, die im Mai 2011 in Spanien ein neues, kritisches Politikverständnis wachsen liessen.

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