Das gute Leben in Dosen

Ein arbeitsloser Architekt belebt in Lissabon die Kultur der Fischkonserve neu. Sein Lokal Sol e Pesca weckt bei Portugiesen Erinnerungen an gute alte Zeiten.

foto: annett bourquin, adaism.net
foto: annett bourquin, adaism.net

Mare Juni/Juli 2014 · Spiegel online 18.6.2014 · Da, wo früher Rollen und Haken waren, sind jetzt Dosen. Gelbe Dosen, rote Dosen, grüne Dosen, blaue Dosen. Aufrecht, liegend, gestapelt, gereiht, wie die Bauklötze einer Spielstadt.

Henrique Vaz Pato liebt Ordnung. Der 45-jährige Wirt ist eigentlich Architekt. Er ist einer von 25.000 in Portugal, einige zu viel. Deshalb reiht er seit zwei Jahren Dosen in der langen Vitrine seines Lokals Sol e Pesca auf. Nicht nur das. In dem ehemaligen Anglergeschäft baut er Häppchen aus Fischkonserven. Die Spielereien bringen Geld, mehr als das Architektendasein in einem derzeit paralysierten Land.

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Baukunst im Stillstand

Von der Schwierigkeit der Architekten im krisengeschüttelten Portugal

Jüngst konnte in Lissabon das von Patricia Barbas und Diogo Lopes zusammen mit Gonçalo Byrne vorbildlich restaurierte und erweiterte Thalia-Theater eröffnet werden. Doch der Baukunst in Portugal geht es weiterhin schlecht. Die Architekten suchen nach Auswegen aus der Krise.

©DMF

NZZ, 4.4.2013 · Ganz still und stumm steht es da; aber der Mantel des Thalia-Theaters in Lissabon ist nicht aus Purpur, sondern aus sandfarbenem Beton. Ein 23 Meter hoher Bau mit stumpfer Oberfläche und abgerundeten Kanten fasst das restaurierte neoklassische Theater im Stadtteil Sete Rios. 1862 brannte das Thalia-Theater aus und stand dann fast 150 Jahre als Ruine da, zwischen dem Zoo und einer stark befahrenen Strasse. Viele Gebäude jüngeren Datums gibt es in Sete Rios, aber keines wirkt so anmutig und zugleich beunruhigend wie das erneuerte Thalia-Theater. Neben dem neuen, auf den ersten Blick etwas irritierenden Betonklotz erstreckt sich ein schwarzer, komplett verglaster Flachbau auf einer Rasenfläche. Hier sind eine Cafeteria und Büros untergebracht, hier spiegeln sich die Bäume des Zoos und das Blau des Himmels, hier wird etwas vermittelt, ein Geheimnis angedeutet, das der sandige, fensterlose Klotz birgt. Dieser scheint nur nach innen zu blicken und erhöht damit seinen Reiz. Was versteckt er?

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Die gute alte Zeit im Korb

Saudade shoppen: Catarina Portas verkauft in ihren Läden alte Markenprodukte. Schokolade und Seifen erzählen bei A vida portuguesa von der Geschichte Portugals.

Die Zeit online, 31.3.2013 · Lissabon ist eine Stadt mit ruhigem Puls. Wer A vida portuguesa, den Laden von Catarina Portas im Geschäftsviertel Chiado, betritt, der spürt das. Angestellte mit steifen Leinenschürzen, knarzende Dielen, verwirrende Düfte. Metallpolitur, Vanillezucker, Veilchenseifen. Dosen, Tütchen, Päckchen in gold, grün, rot, gelb und violett. Das Retrogeschäft gibt es seit sieben Jahren. Es ist groß – ganz Portugal findet hier Platz.

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Die Nostalgie einer Stadt

Vom Story Centre bis zur Sardinendose – Lissabon holt überall Geschichten heraus und packt noch ein wenig Retro hinein

Der Standard, Wien. 5.3.2013 · Lissabon ist Westeuropas letzter Rückzugsort für Nostalgiker. Portugals Hauptstadt hat sich in den vergangenen Jahrzehnten kaum verändert, zumindest nicht in den zentralen Stadtteilen Chiado, Bairro Alto, Baixa oder Alfama. Zum Glück. Kaum Spuren von Globalisierung, nicht überall die gleichen Geschäfte und gleichen Outfits der Passanten. Kaum betritt man das Kopfsteinpflaster, spürt man den Puls der Stadt: Er schlägt langsam. Lissabon ist aber kein Dornröschen, das am Rande Europas schläft und darauf wartet, von Touristen wachgeküsst zu werden. Die Stadt tut nur so, als schliefe sie. Dabei lässt sie sich bewundern, von vier Millionen Besuchern jährlich.

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