Zeit verfliegt – einfangen

Das Hinterland, immer wieder das Hinterland. Schwaches Wort voller Geschichte. So wie der endlos ausdehnbare Magen des Tiefseefisches Schwarzer Schlinger. In seinem dunklen Bauch finden sich Fische, die teils größer sind als er selbst. Seine Haut ist so dick, dass das Licht verschlungener Laternenfische nicht durchschimmert und den Räuber so im dunklen Meer nicht verrät.

Mallorcas Hinterland ist vielerorts wie eine Tiefsee. Trockene, steinige Äcker mit staubbedeckten Bäumen sieht man, kilometerlang.

Dabei schimmern hier und dort seltsame Früchte. Man sieht sie erst, wenn man aus dem Auto steigt und über das furchige Acker geht.

Am Ende der Äste reifen die Feigen in der Sonne dem Dürretod entgegen. Doch sie sind auch Lichtblicke.

Es gibt sie wieder. 600 Sorten, davon 1oo einheimische, 1650 Bäume. Zigtausende Früchte. Ein pensionierter Apotheker züchtet sie, seit ein paar Jahren. Es sind so viele, dass sie am Baum hängen bleiben. Das Wichtige sind vorerst auch nicht die Feigen, sondern die Äste. Die verschickt Montserrat Pons von der Finca Son Mut Nou nach Australien, Südafrika oder in die USA – deren Feigenerbe ist viel ärmer als das mallorquinische. Die Stecklinge schlagen in der fremden Erde aus, dort entsteht ein neuer Baum.

Während Montserrat Pons Mallorcas Artenvielfalt global verbreitet, verdörren seine Früchte zu Trockenfeigen am Ast. Schmecken nicht schlecht.

Die Bäume auf der Finca sind noch recht klein, um diese Jahreszeit wirken sie besonders mickrig. Der Wind hat die Blätter, hier im flachen Süden der Insel, schon verweht. Doch sie vereinnahmen uns trotzdem. Sie erzählen so viel. Sie stehen still, während die Zeit verfliegt.