Nachdenkliche Botschaft auf dem Meeresboden

BR/WDR Juni, Juli 2016 · Wer das neuesten Museum auf Lanzarote sehen will, muss untertauchen. 60 Skulpturen hat der Künstler Jason deCaires Taylor in der Tiefe verankert. Dabei kommt mehr heraus als nur ein PR-Gag. Die Statuen regen zum Nachdenken an.

http://www.br.de/radio/bayern2/kultur/radioreisen/lanzarote-kunst-unterwasser-110~_v-img__16__9__l_-1dc0e8f74459dd04c91a0d45af4972b9069f1135.jpg?version=2fd05
FOTO: Museo Atlántico / Jason deCaires Taylor

Ein Schlauchboot, darin sitzen, liegen, kauern Figuren mit afrikanischen Gesichtszügen. Sie scheinen im offenen Meer zu treiben. Einer der Flüchtlinge schaut noch erwartungsvoll nach vorn, hofft wohl auf Rettung am Horizont. Die anderen scheinen resigniert zu haben. “Das Boot von Lampedusa” heisst die Gruppe.

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Europa erforscht Makaronesiens Naturschätze

Die Inseln im Atlantik sind sehr artenreich: Wale und Delfine lieben die Kanaren, die Azoren und Madeira

Ein verletzter Pottwal nach einer Kollision mit einer Fähre vor den Azoren. Foto: Alexander Goebel
Ein verletzter Pottwal nach einer Kollision mit einer Fähre vor den Azoren. Foto: Alexander Goebel

Der Standard, 6.6.2016 · Eine der artenreichsten und zugleich kaum erforschten Regionen Europas wird derzeit von Wissenschaftern untersucht. Das EU-Projekt nennt sich Mistic Seas und soll bis Mitte 2017 erste Informationen zum Leben rund um Makaronesien bringen, eine Region, die die europäischen Atlantikinseln Azoren, Madeira und Kanaren einschließt. Unter anderem werden große Meeressäuger erfasst und beobachtet.

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Kanaren: Suche nach Öl begann trotz Protests

Schemabild der Gebiete, in denen der Mineralölkonzern Repsol nach Erdöl- und Erdgas bohren will. Quelle: www.canariasdicenoarepsol.com
Schemabild der Gebiete, in denen der Mineralölkonzern Repsol nach Erdöl- und Erdgas bohren will. Quelle: www.canariasdicenoarepsol.com

Der Standard, 19.11.2014 · Viele der zwei Millionen Bewohner der Kanarischen Inseln kennen sie, die Koordinaten 28° 33′ 34” N; 13° 11′ 36” W. Sie bezeichnen den Ort im Meer, an dem der spanische Erdölkonzern Repsol seit Mittwoch Probebohrungen durchführt. Insgesamt soll es acht davon geben. Rund 50 Kilometer vor Lanzarote und Fuerteventura werden Erdöl- und Erdgasvorkommen vermutet.

Die Bevölkerung sowie die Regional- und Inselregierungen der Kanaren lehnen die Prospektionen mehrheitlich ab. Sie befürchten Umweltschäden und Gefahren für den Tourismus.

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El Hierro ist unabhängig

Die kanarische Insel ist als erstes Eiland der Welt energieautark. Ein Wind-Wasser-Kraftwerk versorgt die 10’000 Bewohner. 2020 will El Hierro komplett emissionsfrei sein.

Ein Vulkankrater wurde zum Meerwasserdepot für ein Pumpspeicherkraftwerk. Foto: Gorona del Viento S.A.

NZZ, 8.8.2014 · Seit Ende Juni weht auf El Hierro ein anderer Wind. Nach dreissig Jahren Planung und Umsetzung ist auf der kleinsten Insel der Kanaren ein Wind-Wasser-Kraftwerk in Betrieb gegangen, das die Insel künftig vollständig mit erneuerbarer Energie versorgen soll. Die Anlage wird vom Inselrat, vom spanischen Energiekonzern Endesa und vom Technologischen Institut der Kanaren (ITC) betrieben und kostete rund 82 Millionen Euro. Finanziert wurde sie je zur Hälfte von Endesa und vom spanischen Staat. El Hierro ist damit das erste Eiland der Welt, das sich komplett selbst versorgt. Die dänische Insel Samsø hat zwar auch eigene Stromversorgung, ist aber für Notfälle mit dem Festland verbunden.

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Es werde dunkel!

Fuerteventura will Starlight Destination werden. Die kanarische Insel hofft auf ein Unesco-Zertifikat, das ihr die Hintertür zum nachhaltigen Tourismus öffnet.

Die Zeit online 1.8.2013 · Wenn Asunción Alonso morgens um halb fünf zur Arbeit geht, blickt sie manchmal nach oben. “So schön wie hier ist der Himmel nirgendwo”, sagt die 45-jährige Käserin aus Villaverde. Das weite Firmament, die klare Luft und der dunkle Himmel sind es, die Alonso seit ihrer Kindheit mit ihrer Heimat verbindet.

Fuerteventura, die flachste und älteste Insel der Kanaren, ist einer der weltbesten Orte zum Sternegucken. Das findet nicht nur Alonso, sondern auch die Internationale Astronomische Union (IAU), die Starlight Finder Foundation der Unesco und etwa 30 Hobby-Astronomen auf der Insel. Sie wollen Fuerteventura zum Sternenhimmel-Reservat machen. Mit dieser Auszeichnung könnte die Insel Starlight Destination werden, eine neue Spielart des Naturtourismus.

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Die Wolkenwasser der Bimbachen

Im Bergland der Kanareninsel El Hierro regnet es unter den Bäumen. Es ist das Kondensat des Passatnebels an ihren Blättern. Die Ureinwohner wussten das klug zu nutzen

Der Garoé-Baum in einer Radierung aus dem Jahr 1683.
Der Garoé-Baum in einer Radierung aus dem Jahr 1683.

Mare Juni/Juli 2013 · BIS ZUR ENTDECKUNG AMERIKAS endete die Welt kurz hinter El Hierro. Alte Reiseberichte von der kanarischen Insel sind gespickt mit Beschreibungen fantastischer Riten, vollführt von dunkelhäutigen Menschen im Lendenschurz. Die Steinzeit endete auf der abgelegenen, kleinen Insel tatsächlich erst an jenem Tag des Jahres 1405, an dem der französische Eroberer Jean de Béthencourt im Auftrag Kastiliens das Eiland betrat. „Und auf den höchsten Ebenen wachsen Bäume, von denen ununterbrochen gutes und sauberes Wasser tropft, das in Gruben neben ihnen fließt, das beste Trinkwasser, das sich finden lässt. Und es ist so gesund, dass, wenn man bis zur Sattheit gegessen hat und man dieses Wasser trinkt, in weniger als einer Stunde alle Speisen vollständig verdaut sind und man genau denselben Appetit hat wie vor dem Trinken.“

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Lange Reise, langer Atem

Auf Fuerteventura versuchen Wissenschafter, Karettschildkröten wieder anzusiedeln. Die Aussichten auf Erfolg sind ungewiss.

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Foto: Tobias Wolf

NZZ, 26.6.2013 · Sie schlagen kraftvoll mit den vorderen Flossen, als ob sie ihr ganzes kurzes Leben nichts anderes getan hätten. Vierzehn Unechte Karettschildkröten finden an einem Vormittag Anfang Juni den Weg in die Freiheit. Freiwillige nehmen sie aus den Transportkisten, halten die in der Luft rudernden Tiere fest an den Flanken und setzen sie dann behutsam mit dem Gesicht zum Meer auf den hellen Sand. Sogleich kriechen sie den Wellen entgegen. Langsam, aber beständig.

Gelder aus Brüssel

Die Schildkröten lebten bisher in badewannengrossen Tanks, wo sie mit Fisch und Gelatine gefüttert, gewogen, getauft und mit einem Chip zwecks Identifikation versehen wurden. Jetzt sind sie fast vier Jahre alt, wiegen eineinhalb Kilo und haben einen harten Panzer. Beste Chancen, um in der Wildnis zu überleben. Wenn alle Beteiligten Glück haben, kehren die Tiere frühestens in elf Jahren wieder dorthin zurück, von wo sie gestartet sind. Dann legen sie hoffentlich viele Eier, am Strand von Cofete, an der Westküste der kanarischen Insel Fuerteventura. «Wir brauchen einen langen Atem», sagt Tony Gallardo, Mitverantwortlicher der Inselregierung für das internationale Forschungsprojekt Pelagos. «Karettschildkröten sind erst mit fünfzehn Jahren geschlechtsreif.» Pelagos wird zu achtzig Prozent vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung zwischen EU-Mitgliedstaaten und Nicht-EU-Ländern (EFRE) finanziert. Gegenwärtig stehen etwa 500 000 Euro für das Projekt bereit. «Wir sind billig», sagt Gallardo und hofft, dass Brüssel den Geldhahn nicht zudreht.

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Es brodelt auf den Kanaren

Ein Jahr nach dem Beben vor der Küste El Hierros brodelt dort ein neuer Vulkantourismus auf kleiner Flamme

Der Standard, 24.9.2012 · Am 12. Oktober 2011 war es mit der Ruhe im Mar de la Calma vorbei. Wochenlang stieg Rauch in den Himmel, Steine flogen durch die Luft, das “Meer der Stille” brodelte. Südlich der Kanareninsel El Hierro entstand ein Unterwasservulkan. Bilder des gewaltigen Ereignisses gingen um die Welt: Sie zeigten gelbgrüne Schwefelteppiche und auf dem Wasser treibende, rauchende Lavabrocken.

Zwar hat es der neue Vulkan namens 1803-02, den die Insulaner nur La Hija, die Tochter, nennen, nicht geschafft, aus dem Wasser zu wachsen. Der Kegel hat sich vom 300 Meter tiefen Grund bis rund 85 Meter unter der Wasseroberfläche aufgebaut. Man sieht also nichts, wenn man in dem Küstenort La Restinga den Blick übers Meer schweifen lässt. Doch die Insel an sich ist schon ein vulkanologischer Erlebnispark.

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Zauber in Grün

Foto: www.touristspots.org

Der Lorbeerwald auf der Kanareninsel La Gomera gehört zum Weltnaturerbe. Schmale Pfade mit Meerblick führen hindurch

Brigitte Kramer, Der Tagesspiegel, 2.10.2011

Es riecht nach Moos und feuchtem Holz. Nur vereinzelt dringen Lichtstrahlen durch das tief hängende Wolkenmeer, durch Blattkronen und Nadeldickicht von Lorbeer- und Erdbeerbäumen, Myrten, Eschen und Zedern. Dort leben Fledermäuse, Tauben und wilde Kanarienvögel, im Unterholz tummeln sich Schnepfen, Skinke und Echsen. Schmale Pfade führen über weichen Waldboden, durch gebirgiges, immergrünes Gelände, vorbei an Baumstämmen, die von langhaarigem Moos ummantelt sind, vorbei an kniehohen Farnteppichen und dickem, verknotetem Wurzelwerk. Die Luft ist trüb und dampfig, doch niemals heiß. Der Blick reicht nicht weiter als ein paar Baumstämme.

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