Gutes vom Grund

Was den Deutschen das Fondue ist, sind den Spaniern zum Jahreswechsel Muscheln: Die besten kommen aus Galicien, gegessen werden sie vor allem in Madrid

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Muschel suchen in Galicien vor allem Frauen. Die Arbeit lässt Zeit für andere Dinge, zum Beispiel um das Mittagessen für die Kinder zu kochen. Foto: Brigitte Kramer

Süddeutsche Zeitung, 29.12.2016 · Madrid ist der größteMeerhafen des Landes, sagen die Spanier. Dabei gibt es hier weit und breit kein Meer. Aber in Madrid haben die Leute das Geld, um sich Steinbutt,Meeraal, Brassen und Seeteufel zu kaufen. Oder Entenmuscheln, Schwertmuscheln, Kaisergranat, Samtkrabben, Seespinnenundviele andere Delikatessen, für die es im Deutschen keine Namen gibt. Deshalb werden die besten Fische und Meeresfrüchte seit jeher in die Hauptstadt geschickt. Für María Alfonso ist das ein großes Glück. Die 48-Jährige ist Hausfrau. Und einen Teil des Jahres zudem Mariscadora, Muschelsammlerin. Und als solche staunt sie immer wieder, wie teuer das verkauft wird,was sie mitdemRechen ausdemsandigen Meeresboden kratzt. „20 Euro das Kilo“, sagt sie, „das ist eine Handvoll Muscheln. Wer kann sich das leisten?“

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Das Neunauge – Überlebenskünstler mit Imageproblem

Bayerischer Rundfunk, Radio Wissen, 7.4.2016 · Das Neunauge ist ein fischähnliches Wirbeltier, das seit mehr als 500 Millionen Jahren auf unserer Erde lebt. Das bis zu einem Meter lange Tier lebt als Parasit und ist vom Aussterben bedroht.

Das Neunauge, Fisch des Jahres 2012 © dpa

http://blog.br.de/mensch-und-tier/2016/04/06/neunauge-lamprete-fisch/

Das Fest der Vampirfische

Der Standard, 21.1.2016 · Im Frühjahr kommen in Spanien und Portugal Meerneunaugen an die Atlantikküste. Der Appetit auf das aalförmige Wirbeltier ist groß.

Neunaugen gibt es seit mehr als 300 Millionen Jahren. Nun sind sie massiv vom Aussterben bedroht.

Zwischen Jänner und Mai herrscht in dem spanischen Dorf Arbo Hochsaison: Dann kommen die Neunaugen. Sie ziehen vom Atlantik den Fluss Miño hinauf, um sich zu paaren und abzulaichen. Arbo liegt in Galicien, nahe der der Grenze zu Portugal. 60 Kilometer hinter der Küste haben die Fischer ihre Reusen aufgehängt. Was gefangen wird, kommt in den Topf. Tausende Gäste wollen jedes Jahr im April Neunaugen kosten. Sie kommen zur Festa da Lamprea, die mehrere Tage dauert.

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Die Lehre des Franziskus ist überall

Deutschlandfunk, 3.11.2014 · Mehr als 200.000 Menschen sind in diesem Jahr schon zu einer Pilgerreise auf dem Jakobsweg im Norden Spaniens aufgebrochen. Vor 800 Jahren tat dies auch Franziskus von Assisi. In Santiago de Compostela widmet sich im Jubiläumsjahr nun eine internationale Kunstausstellung dem heiligen Franziskus.

Jorge Barbi: «En el final del camino», Am Ende des Wegs. Installation auf dem Friedhof von Bonaval, Santiago de Compostela, 2014
Jorge Barbi: «En el final del camino», Am Ende des Wegs. Installation auf dem Friedhof von Bonaval, Santiago de Compostela, 2014.

http://www.deutschlandfunk.de/jakobsweg-die-lehre-des-franziskus-ist-ueberall.886.de.html?dram:article_id=302074

Mit Wasserkur zur Rossnatur

Als Thermenregion ist das spanische Galicien bei uns kaum bekannt. Die Gründungslegende klingt vielversprechend.

Kuren im Grünen: das Thermalhotel Acuña in Caldas de Reis. Foto: Tom Gebhardt

Der Standard, 1.12.2012 · Es war das Pferd eines römischen Soldaten, das Galiciens Heilquellen zu lokaler Berühmtheit verhalf. Der Legende nach hat sich das Tier beim Bad in irgendeiner warmen Wasserlacke einige Kilometer südlich von Santiago de Compostela vollkommen von den Verletzungen einer Schlacht erholt. Seitdem tun es ihm die Menschen gleich: Gegen die unterschiedlichsten Wehwehchen nutzen sie eine der 300 Heilquellen, die hier im Nordwesten Spaniens mit 15 bis 72 Grad Celsius durch den Granitboden sprudeln. 21 dieser Quellen werden – heute noch oder wieder – kommerziell als Thermen genutzt, in denen die traditionellen Kuranwendungen neben modernen Wellness-Behandlungen bestehen können.

Die Geschichte vom Pferd erzählt uns Chus Piñeiro in weißem Kittel und weißen Sandalen. Sie ist die Leiterin der denkmalgeschützten Badeanstalt Balneario Davila. Wir sind in der Kurstadt Caldas de Reis und stehen im Halbsouterrain, direkt über besagter Quelle. Bald spüren wir wohlige Wärme in den Füßen und nehmen einen leichten Geruch nach faulen Eiern wahr. Mit 42 Grad Celsius dringt das schwefelhaltige Heilwasser unter dem Marmorboden aus dem Erdreich und speist das gesamte Wassersystem der Therme. Seit 1780 strömen Menschen hierher, um Sitzbäder zu nehmen, um Nase und Rachen zu duschen, zum Inhalieren oder einfach nur zum Entspannen. Das Wasser von Caldas de Reis enthält auch Lithium, Silizium und Natron. Wird es mindestens eine Woche lang täglich angewendet, lindert es offensichtlich Schuppenflechte und Neurodermitis, Gelenksbeschwerden und Erkrankungen der Atemwege. Außerdem soll es bei psychologisch-neurologischen Leiden und gegen die Zivilisationskrankheit Stress wirken. Das bestätigen Generationen von Galiciern, aber zunehmend auch Reisende von auswärts, die die wasserreiche Region längst nicht mehr nur auf dem Jakobsweg entdecken wollen.

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