ETA-Terroristen geben die Waffen ab

NZZ am Sonntag, 9.4.2017 · Die baskische ETA hat ihre letzten Waffenverstecke preisgegeben. Ihr Ende ist besiegelt. Doch Spaniens Regierung fordert mehr.

Der Auflösungsprozess der spanischen Terrorgruppe ETA (Baskenland und Freiheit) schreitet weiter voran. Mittelsmänner der Organisation haben gestern Samstag der französischen Polizei die Standorte von acht Waffenlagern in Südfrankreich bekanntgegeben. Laut Presseberichten wurden in Grenznähe zu Spanien 118?Schusswaffen, fast 3000 Kilogramm Sprengstoff sowie Zünder und Munition gesichert. Es sollen die letzten Lager sein, auf die die Organisation noch Zugriff hatte. Am Freitag hatte sich die Gruppe in einer Mitteilung an den britischen Sender BBC bereits als «entwaffnete Organisation» bezeichnet.

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Kultur löst den Terrorismus ab

NZZ am Sonntag, 3.1.2016 · San Sebastián ist dieses Jahr Kulturhauptstadt Europas. Die baskische Stadt nutzt den Anlass, um Jahrzehnte des ETA-Terrors aufzuarbeiten. 

Veranstaltung im Rahmen des Kulturhauptstadtprogramms  vor dem Rathaus von San Sebastián
Veranstaltung im Rahmen des Kulturhauptstadtprogramms vor dem Rathaus von San Sebastián

Kulturhauptstadt Europas? Woanders wären das Vernissagen, Premieren und Einweihungen. Nicht aber in San Sebastián. 2016 trägt die Stadt im Norden Spaniens den Titel und will damit die schwierige Versöhnung angehen. Das ist kein leichtes Unterfangen. Denn der Terror der baskischen Separatisten hat hier mehr als 30 Jahre lang gewütet.

«Kultur als Werkzeug der Versöhnung» lautet das Motto des Programms, das mehr als 100 Projekte und fast 500?Einzelaktionen umfasst. «Wir bieten keine grossen Namen und keine Neubauten», sagt der Leiter Pablo Berástegui, «wir laden die Besucher ein, die Stadt und ihre Menschen kennenzulernen.» Das Programm ist alles andere als effekthascherisch und wendet sich vor allem an die eigene Bevölkerung. Die lebt in einer der schönsten Städte Spaniens, an einer traumhaften Doppelbucht der Biskaya, und ist dabei doch schwer traumatisiert.

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Das Anschlagsopfer

Weil ihn die baskische Terrororganisation ETA 2001 mit einer Briefbombe ermorden wollte, ist Gorka Landaburu Halbinvalide. Seit 40 Jahren forderte der baskische Journalist ein Ende der Gewalt. Vor gut einem Jahr erklärte die ETA endlich ihre Bereitschaft dazu. Nun trifft sich Landabaru mit inhaftierten Exterroristen.

Gorka Landaburu am Strand von Zarautz, Juli 2012

Chrismon 12. 2012 · Er denkt oft an sie. Manchmal zweimal am Tag. Immer dann, wenn Gorka Landaburu sich das Hemd zuknöpft oder die Schuhe bindet. „Ich brauche ewig dafür“, sagt er in seinem Büro und zieht an der Pfeife. Die hält er ganz elegant in der linken Hand, obwohl ihm dort seit elf Jahren an vier Fingern das erste Glied fehlt. Mit der rechten Hand kann der 61-jährige Baske nichts mehr halten, an ihr fehlen Daumen und der halbe Zeigefinger. Deshalb wurde er zum Linkshänder.
„Tippen kann ich nach wie vor mit beiden Händen“, sagt der Journalist. Er sitzt in der Redaktion des politischen Wochenmagazins „Cambio 16“, das landesweit seit 1971 erscheint. Landaburu leitet in San Sebastián die baskische Ausgabe. Unten, am Eingang des mehrstöckigen Bürogebäudes, ist der Name der Zeitschrift nicht angeschlagen, und auch auf der Webseite und in seinen E-Mails findet sich keine Redaktionsanschrift. Wenn Landaburu jemanden empfängt, steuert er ihn per Handy zum Treffpunkt.

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