El Hierro ist unabhängig

Die kanarische Insel ist als erstes Eiland der Welt energieautark. Ein Wind-Wasser-Kraftwerk versorgt die 10’000 Bewohner. 2020 will El Hierro komplett emissionsfrei sein.

Ein Vulkankrater wurde zum Meerwasserdepot für ein Pumpspeicherkraftwerk. Foto: Gorona del Viento S.A.

NZZ, 8.8.2014 · Seit Ende Juni weht auf El Hierro ein anderer Wind. Nach dreissig Jahren Planung und Umsetzung ist auf der kleinsten Insel der Kanaren ein Wind-Wasser-Kraftwerk in Betrieb gegangen, das die Insel künftig vollständig mit erneuerbarer Energie versorgen soll. Die Anlage wird vom Inselrat, vom spanischen Energiekonzern Endesa und vom Technologischen Institut der Kanaren (ITC) betrieben und kostete rund 82 Millionen Euro. Finanziert wurde sie je zur Hälfte von Endesa und vom spanischen Staat. El Hierro ist damit das erste Eiland der Welt, das sich komplett selbst versorgt. Die dänische Insel Samsø hat zwar auch eigene Stromversorgung, ist aber für Notfälle mit dem Festland verbunden.

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Die Wolkenwasser der Bimbachen

Im Bergland der Kanareninsel El Hierro regnet es unter den Bäumen. Es ist das Kondensat des Passatnebels an ihren Blättern. Die Ureinwohner wussten das klug zu nutzen

Der Garoé-Baum in einer Radierung aus dem Jahr 1683.
Der Garoé-Baum in einer Radierung aus dem Jahr 1683.

Mare Juni/Juli 2013 · BIS ZUR ENTDECKUNG AMERIKAS endete die Welt kurz hinter El Hierro. Alte Reiseberichte von der kanarischen Insel sind gespickt mit Beschreibungen fantastischer Riten, vollführt von dunkelhäutigen Menschen im Lendenschurz. Die Steinzeit endete auf der abgelegenen, kleinen Insel tatsächlich erst an jenem Tag des Jahres 1405, an dem der französische Eroberer Jean de Béthencourt im Auftrag Kastiliens das Eiland betrat. „Und auf den höchsten Ebenen wachsen Bäume, von denen ununterbrochen gutes und sauberes Wasser tropft, das in Gruben neben ihnen fließt, das beste Trinkwasser, das sich finden lässt. Und es ist so gesund, dass, wenn man bis zur Sattheit gegessen hat und man dieses Wasser trinkt, in weniger als einer Stunde alle Speisen vollständig verdaut sind und man genau denselben Appetit hat wie vor dem Trinken.“

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Es brodelt auf den Kanaren

Ein Jahr nach dem Beben vor der Küste El Hierros brodelt dort ein neuer Vulkantourismus auf kleiner Flamme

Der Standard, 24.9.2012 · Am 12. Oktober 2011 war es mit der Ruhe im Mar de la Calma vorbei. Wochenlang stieg Rauch in den Himmel, Steine flogen durch die Luft, das “Meer der Stille” brodelte. Südlich der Kanareninsel El Hierro entstand ein Unterwasservulkan. Bilder des gewaltigen Ereignisses gingen um die Welt: Sie zeigten gelbgrüne Schwefelteppiche und auf dem Wasser treibende, rauchende Lavabrocken.

Zwar hat es der neue Vulkan namens 1803-02, den die Insulaner nur La Hija, die Tochter, nennen, nicht geschafft, aus dem Wasser zu wachsen. Der Kegel hat sich vom 300 Meter tiefen Grund bis rund 85 Meter unter der Wasseroberfläche aufgebaut. Man sieht also nichts, wenn man in dem Küstenort La Restinga den Blick übers Meer schweifen lässt. Doch die Insel an sich ist schon ein vulkanologischer Erlebnispark.

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