Der Nabel der Stadt

Die abgeschottete spanische Exklave Ceuta an der marokkanischen Mittelmeerküste besitzt eine neue Bibliothek. Sie dient als Treffpunkt und erzählt die schwierige Geschichte der Stadt. Realisiert wurde die Bibliothek vom Madrider Architektenpaar Ángela García de Paredes und Ignacio García Pedrosa.

Homogene Alufassade in Ceutas Häusermeer: Die neue Bibliothek der Stadt. Foto: Fernando Alda

NZZ, 11.7. 2014 · Ihr letztes freies Grundstück hat die Stadt Ceuta einer öffentlichen Bibliothek überlassen. Das weckt Sympathie. Schon bei der Anfahrt über die Meerenge von Gibraltar entdeckt man sie am Horizont, die Biblioteca Pública de Ceuta. Kurz vor dem Anlegen im Hafen kann man sie dann genau erkennen. Ein mit Aluminium verkleideter, schiffsrumpfähnlich abgeschrägter Baukörper ragt in den Himmel. Das Gebäude ist kaum grösser oder höher als seine Nachbarn. Aber es sticht trotzdem hervor. Denn keines der anderen Häuser besitzt eine derart homogene Fassade. Die meisten haben unterschiedlich geformte Fenster, farbig getünchte Fassaden, Aufbauten und Antennen. Sie schaffen ein Gewimmel, in welchem das Gebäude des Madrider Architektenpaares Ángela García de Paredes und Ignacio García Pedrosa einen Ruhepol bildet. «Wir wollten Einheit vermitteln», sagt Ángela Paredes, «Einheit und Geborgenheit.»

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Ceuta: Hafen zwischen erster und dritter Welt

Die spanische Stadt Ceuta ist ein koloniales Relikt an Marokkos nördlichstem Zipfel. Christen und Muslime leben hier. Weg wollen nur die Flüchtlinge aus dem Süden.

Foto: Stadt Ceuta

Zeit online, 27.1.2014 · Überall ist Licht, selbst im Januar. Gleißend, wie frisch gebadet, liegt Ceuta da. Wolken legen abwechselnd Kirchtürme und Minarette in Schatten, ziehen weiter. Die Passanten nehmen an diesem Morgen das Schauspiel kaum wahr. Sie sind mit Sonnenbrille und Schirm aus dem Haus gegangen. Für sie sind wechselhafte Licht- und Wetterstimmungen normal. Die Stadt ist umgeben von Meer: Hier die unruhige Meerenge von Gibraltar, in der Atlantik und Mittelmeer ineinander fließen. Dort das weite, beschauliche Mittelmeer der westlichen Küste Nordafrikas. Dazwischen liegt, auf einer Halbinsel am nördlichsten Zipfel Marokkos, ein dicht bebautes, lebendiges Stück Europa in Afrika.

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