Die Geschichte und Karriere von Arenal

Was heute das millionenschwere Filetstück Arenal ist, war vor hundert Jahren noch wertloses Land, das man Taugenichtsen und Töchtern vererbte – die Geschichte von der Erfindung des Badeparadieses.

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Merian Heft 5/2009 · Das “Brünnchen des Kuhhirten” – so ein Name taugt nicht für Reisekataloge und Ansichtskarten. Als aber Francisco Berga Oliver um das Jahr 1915 sein Hotel “Términus” beim Pouet d’en Vaquer eröffnete, dachte der Fischer aus Palma auch noch nicht an Massentourismus und Charterflüge. Dennoch erahnte Berga Oliver das Potenzial des Grenzstreifens zwischen Wasser und Erde. Obwohl er zu nah am unberechenbaren Meer lag und zu sandig und salzig war, als dass er für die Grundbesitzer einen nennenswerten Nutzen gehabt hätte. Küstenland war auf Mallorca wertlos, also wurde es immer dem Jüngsten vererbt.

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Im Schatten des Massentourismus: Suppenküchen auf Mallorca

FOTO: Tom Gebhardt
FOTO: Tom Gebhardt

Von Brigitte Kramer, dpa Palma de Mallorca (dpa) – Mallorca im Mai: Das Wasser in der Bucht von Palma ist noch zu kalt zum Baden, doch an der Strandbar «Ballermann» wurde schon mal die Saison eingeläutet, mit Jürgen Drews und Mickie Krause. Jetzt heißt es wieder Party bis zum Herbst. 13 Kilometer westlich, in Palmas Altstadt, geht es in diesen Tagen weniger ausgelassen zu: In der Suppenküche der Hilfsorganisation Zaqueo essen täglich rund 250 Menschen.

· Jeden Tag zwischen 17.00 und 19.00 Uhr warten vor der kleinen Tür Hungrige auf ein Abendessen. Der enge Raum füllt sich mit Menschen, die zu wenig Geld haben, um sich selbst zu versorgen. In dem ehemaligen Gemischtwarenladen riecht es nach Schweiß und warmem Essen. Auf der Karte steht Bohneneintopf mit Schinken und Brokkoli. Dazu gibt es kalte Gemüsepizza oder belegte Brote, als Nachtisch Gebäck, Obsttorte und warmen Kakao sowie Limonade und Wasser, Äpfel und Orangen.

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Ein guter Gast ist niemals Last · Mallorca und die Deutschen

Quelle: fotosantiguasdemallorca.blogspot.com.es

Was denkt Mallorca von uns Deutschen? Rezeptionisten, Zimmermädchen, Gärtner, Gastronomen, Poolbauer, Strandverkäufer über Dauergäste, Junggesellenabschiede, baumelnde Seelen, Eimertrinken

Erschienen in Mare nº 92 Juni/Juni2012

Einmal die Woche treffen sich Toni Ferrer, sein Schwager Miquel Amengual und ein paar Freunde zum Pokern. Die Altherrenrunde kommt vor dem Essen auf der Terrasse von Ferrers Villa zusammen, umgeben von 100 000 Quadratmetern gepflanztem Dschungel. Zum Aperitif trinken die Mallorquiner Pinya Puig, die Inselvariante der amerikanischen Cola, jemand macht eine Flasche einheimischen Wein auf, die Hausangestellte bringt Oliven, es wird geplaudert, während in der Küche frische pürierte Tomaten, gerührte Eier und Lammkoteletts warten. Ferrer nennt diese Runde „das Dinosauriertreffen“, denn alle, die donnerstags den Weg zu seiner Finca im Inselinnern nehmen, haben ihr Geld mit den Deutschen verdient, als Hoteliers oder Gastwirte. Sie waren die Ersten und nennen sich „die Dinosaurier des Tourismus“.

Übers Geschäft sprechen die Herren nicht. Sie haben es den Kindern übergeben. Einmal die Woche belohnen sie sich für 50 Jahre Schuften, mit Poker, Zigarren und guter Gesellschaft. Auch über ihre Gäste sprechen sie nicht, über diese anonyme Masse, die sich 50 Kilometer südöstlich von Ferrers Finca am Ballermann amüsiert, neun Monate im Jahr. „Die Platja de Palma, den Ballermann, den haben wir erfunden“, sagt Toni Ferrer nach dem Essen und führt dabei eine braune, getöpferte Mokkatasse mit seinem Namen zum Mund. „Wir wollten etwas machen, das den Deutschen gefällt“, sagt er, „nicht unbedingt uns.“ Er nimmt einen Schluck schwarzen, entkoffeinierten Kaffee und stellt die Tasse dann auf das passende Tellerchen in seiner Hand. „Wissen Sie, die Deutschen denken immer, das Ihre ist das Beste.“

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