Leuchtgebiete

Mallorcas alte Wachtürme dienten zur Abwehr von Piraten. Nun sollen sie renoviert und zugänglich gemacht werden – mit Aussichtsgarantie.

 

Süddeutsche Zeitung, 25.4.2017 · Anfang dieses Jahres ging ein Leuchten um Mallorca. 24 alte Wachtürme sandten nacheinander ein Lichtsignal aus. Rote Punkte glühten auf, im Dunkel der Nacht, und erloschen kurz darauf wieder. Es war ein Test. Ein paar Mallorquiner wollten wissen, ob das einstige Überwachungssystem an der Küste noch funktionierte. Das tat es. “Wir wollten auf den schlechten Zustand der Türme aufmerksam machen”, sagt der Mathematiklehrer Pep Lluís Pol, einer der Veranstalter der Leuchtfeuer-Aktion. “Sie müssen erhalten bleiben, denn sie gehören zu unserem historischen, landschaftlichen und emotionalen Erbe.”

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Feuerbakterium bedroht Europas Olivenbäume

In Süditalien sind dem Erreger bereits Millionen Bäume zum Opfer gefallen, nun droht er auch Mallorcas Landschaft zu verändern.

Befallene OlivenbäumeDer Standard, 30.3.2017 · Zuerst gingen die Kirschbäume und die Oleanderbüsche ein. Ihre Blätter wurden braun. Das war im Dezember. Damals hieß es noch, Mallorcas Oliven- und Mandelbäume seien nicht bedroht von der sonderbaren Krankheit. Doch das ist nun überholt. Nach ersten Stichproben mussten bis März mehr als 140 Bäume auf Mallorca, Menorca und Ibiza gefällt und verbrannt werden. Auslöser für ihren Tod ist Xylella fastidiosa, ein ursprünglich in den USA verbreitetes Bakterium, das vor allem von Zikaden übertragen wird. Es soll vor ein paar Jahren mit einer infizierten Kaffeepflanze nach Europa gelangt sein. Wird die Epidemie nicht schnell eingedämmt, könnte sie die Landschaft grundlegend verändern und Mallorcas Tourismus und der Landwirtschaft einen schweren Schlag versetzen. In Süditalien sind dem Feuerbakterium seit 2013 bereits Millionen Olivenbäume zum Opfer gefallen. Die Krankheit ist dort noch nicht unter Kontrolle und frisst sich jedes Jahr etwa 30 Kilometer weiter in Richtung Norden. Mehr als 500.000 Hektar sind infiziert. Sollte die Epidemie auf den Balearen ähnlich verlaufen, haben nicht nur die Inseln allen Grund zur Panik, sondern ganz Europa. Da sich die Krankheit erst lange nach der Infektion zeigt, ist sie schwer zu bekämpfen. Sind die Blätter erst einmal braun, ist es zu spät. Pflanzenschutzmittel gibt es derzeit keine: Zikaden, die sich von Baumsaft ernähren, verbreiten den Erreger, wenn sie die Bäume ansaugen. Das Bakterium dringt dann in die Leitgefäße für Wasser ein und lässt diese verstopfen: Die Bäume verdursten.

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Seegras – Wächter im Ökosystem Küste

Bayerischer Rundfunk, 26.3.2015 · Seegras sorgt im Mittelmeer für Artenvielfalt, klares Wasser und weiche Sandstrände. Die Unterwasserpflanze wächst am seichten Meeresgrund in Ufernähe und wirkt als Agent im Ökosystem Küste.

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Geistig entspannt: Menorca im Miró-Modus

Der Standard, 5.10.2014  · Seine Nachbarn hat Joan Miró zu Lebzeiten nie besucht. Mit 40 wilden Spätwerken kommt der Wahl-Mallorquiner nun zum ersten Mal nach Menorca.

“Personnages” (“Figuren”) ist eines von 40 Spätwerken Mirós, die derzeit auf Menorca zu sehen sind. Foto: successió miró, 2014

Die Insel hätte Joan Miró gefallen, mit ihren kugeligen Büschen, die noch nie jemand gestutzt hat, den wilden Olivenbäumen und dem weiten Himmel, der rund um Menorca das Meer berührt. In den beiden Städtchen Ciutadella und Maó geht es ruhig zu, das grüne Land dazwischen ist durchzogen von Wanderwegen, Feldmauern und weiß getünchten Häusern. Von Mallorca aus ist es nur ein Katzensprung, eine halbe Stunde im Flieger oder zwei Stunden im Schiff. Cituadella liegt am westlichsten Zipfel Menorcas und ist somit der großen Nachbarinsel am nächsten. Und dennoch hat es Miró in den 27 Jahren, die er auf Mallorca lebte, nie geschafft, Menorca zu besuchen.

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Formentera – Ihre Insel

Die Balearen-Insel Formentera wird Touristen als letztes Paradies verkauft. Für Santiago und Miquel Costa, die seit 60 Jahren auf ihr leben, ist sie trotzdem eines.

Formentera: Ihre Insel
Miquel (li.) und Santiago Costa. Die Brüder sind auf Formentera geboren.

 

Zeit online, 23.7.2014 ·  Santiago Costa ist etwas knorrig, nicht besonders freundlich, eher geduldig. Geduldig mit Besuchern, die das andere Formentera entdecken wollen. Ein guter Ausgangsort dafür ist seine weinumrankte Veranda. Hier sitzt Costa im Schatten vor seinem Haus auf dem Hochplateau La Mola. Unten muss das Meer an die Felsen schlagen, aber hier oben hört man nichts, nur das Summen der Insekten. Es riecht nach trockener Erde und wildem Thymian. Salz und Feuchtigkeit legen sich auf Haut und Haare. Sie erinnern uns daran, dass wir auf einer Mittelmeerinsel sind.

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Prähistorische Pyramidenspiele

Menorca weiß wenig über seine Megalithen. Der Status als Welterbe soll bald Aufklärung und mehr Touristen bringen

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Der Standard, 14.12.2013 · Menorca klingt nach Ewigkeit, besonders wenn man im Türstock eines uralten Steinhauses steht. Draußen wiegen sich die Gräser im lauen Winterwind, und in den wilden Olivenbäumen zwitschern die Drosseln. Tritt man über die steinerne Schwelle, fällt der Blick auf den Boden. In einer Ecke sieht man Rußspuren eines lange nicht mehr rauchenden Feuers. Es ist wohl vor 3000 Jahren erkaltet.

Wir stehen im Tempel von Torre d’en Galmés, einer steinzeitlichen Siedlung im Süden Menorcas. Sie ist eine der besterhaltenen und größten der Insel. Bis zu 40 Großfamilien haben hier über mehrere Jahrhunderte gelebt. Sie waren vermutlich einer der einflussreichsten Clans ihrer Zeit. Metallene Püppchen, Ziegenknochen und leere Weinamphoren erzählen von Ritualen und Feiern. In der Mitte der Tempelruine, die heute kein Dach mehr hat, steht eine jener Taules, die Menorca einzigartig machen. Ein riesiger T-förmiger Megalithenbau aus einem vertikalen und einem quer darauf gelegten Stein. Tonnenschwer, meterhoch. Aber warum steht das T da? War es die Dachstütze oder war es ein spirituelles Symbol? Niemand weiß es.

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