Sóller entdeckt alte Orangensorten wieder

BR, Juli 2016 · “Eierhintern” oder “kleines Blatt”, so heißen Orangensorten aus Sóller. Doch jahrzehntelang ließen die Bauern ihre Ernte verfaulen. Jetzt entdecken die Mallorquiner die alten Sorten wieder – und damit auch ein Stück ihrer Identität.

Orangenplantage auf Mallorca | Bild: ecovinyassa
FOTO: ecovinyassa

Im Tal von Sóller, an Mallorcas steiler Westküste, sieht man Orangen und Zitronen wohin der Blick reicht. Rundherum ragen hohe Gipfel in den Himmel, dazwischen liegt ein grün-gelb-orangefarbener Flickenteppich. 130 Hektar sollen hier mit Zitrusfrüchten bepflanzt sein.

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Nachdenkliche Botschaft auf dem Meeresboden

BR/WDR Juni, Juli 2016 · Wer das neuesten Museum auf Lanzarote sehen will, muss untertauchen. 60 Skulpturen hat der Künstler Jason deCaires Taylor in der Tiefe verankert. Dabei kommt mehr heraus als nur ein PR-Gag. Die Statuen regen zum Nachdenken an.

http://www.br.de/radio/bayern2/kultur/radioreisen/lanzarote-kunst-unterwasser-110~_v-img__16__9__l_-1dc0e8f74459dd04c91a0d45af4972b9069f1135.jpg?version=2fd05
FOTO: Museo Atlántico / Jason deCaires Taylor

Ein Schlauchboot, darin sitzen, liegen, kauern Figuren mit afrikanischen Gesichtszügen. Sie scheinen im offenen Meer zu treiben. Einer der Flüchtlinge schaut noch erwartungsvoll nach vorn, hofft wohl auf Rettung am Horizont. Die anderen scheinen resigniert zu haben. “Das Boot von Lampedusa” heisst die Gruppe.

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Im Gegenwind

Vielerorts ist der Mönchsgeier ausgestorben. Ausgerechnet auf der Touristeninsel Mallorca hat er überlebt.

Ein Mönchsgeier (links), neben einem Gänsegeier in den Bergen Mallorca. Foto: Sebastià Torrens
Ein Mönchsgeier (links), neben einem Gänsegeier in den Bergen Mallorca. Foto: Sebastià Torrens

Süddeutsche Zeitung, 4.8.2016 · Immer, wenn Martí Solivellas den Geier über seinem Haus kreisen sieht, wird ihm warm ums Herz. “Sehen Sie?”, sagt Solivellas und deutet nach oben, “was für eine Spannweite!” Um den Bauern herum laufen seine zwei Collies, Solivellas aber hat nur Augen für den Mönchsgeier. “Der hat heute eine gute Thermik da oben.” Der Bauer kneift die Augen zusammen, sieht genauer hin. Nun klingt er etwas beunruhigt. “Normalerweise sind sie immer zu zweit unterwegs.” Heute ist der Geier allein.

Martí Solivellas und seine Frau Antònia Bibiloni leben denn auch wortwörtlich allein unter Geiern. Alle Nachbarn sind weggezogen, erzählt das Bauernehepaar. Der Hof steht in einem geschlossenen Hochtal im Norden Mallorcas, nur vier Kilometer vom Pilgerkloster Lluc entfernt. Rund herum ragen die höchsten Berge der Insel in den blauen Himmel. Und zwischen den Gipfeln, über Olivenplantagen, Gemüsebeeten und Obstbäumen, über einem Dreschplatz und unbebauten Feldern, über Schafen, Hühnern und Gänsen, über dem Blumengarten und dem alten Bauernhaus, wo das Paar seit fast 40 Jahren lebt, da kreist, mit einer Spannweite von fast drei Metern, entspannt ein Mönchsgeier.

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Europa erforscht Makaronesiens Naturschätze

Die Inseln im Atlantik sind sehr artenreich: Wale und Delfine lieben die Kanaren, die Azoren und Madeira

Ein verletzter Pottwal nach einer Kollision mit einer Fähre vor den Azoren. Foto: Alexander Goebel
Ein verletzter Pottwal nach einer Kollision mit einer Fähre vor den Azoren. Foto: Alexander Goebel

Der Standard, 6.6.2016 · Eine der artenreichsten und zugleich kaum erforschten Regionen Europas wird derzeit von Wissenschaftern untersucht. Das EU-Projekt nennt sich Mistic Seas und soll bis Mitte 2017 erste Informationen zum Leben rund um Makaronesien bringen, eine Region, die die europäischen Atlantikinseln Azoren, Madeira und Kanaren einschließt. Unter anderem werden große Meeressäuger erfasst und beobachtet.

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Gott mit dem Verstand erfassen

Deutschlandfunk, Tag für Tag, 11.5.2016 · Vor 700 Jahren starb der mallorquinische Gelehrte Raimundus Lullus. Er wollte die Ungläubigen bekehren – aber nicht mit Waffen, sondern mit Worten. Noch heute beschäftigen sich Theologen, Philosophen und Sprachwissenschaftler mit seinem verqueren Denken. Vieles, was er schrieb, wurde einst nicht verstanden – und ist bis heute schwer verständlich, aber wegweisend.

 

Raimundus Lullus Denkmal an der Kathedrale La Seu in Palma de Mallorca (imago/ R. Wittek)
Raimundus Lullus Denkmal an der Kathedrale La Seu in Palma de Mallorca (imago/ R. Wittek)

http://www.deutschlandfunk.de/der-mittelalterliche-denker-raimundus-lullus-gott-mit-dem.2540.de.html?dram:article_id=351826

Das Neunauge – Überlebenskünstler mit Imageproblem

Bayerischer Rundfunk, Radio Wissen, 7.4.2016 · Das Neunauge ist ein fischähnliches Wirbeltier, das seit mehr als 500 Millionen Jahren auf unserer Erde lebt. Das bis zu einem Meter lange Tier lebt als Parasit und ist vom Aussterben bedroht.

Das Neunauge, Fisch des Jahres 2012 © dpa

http://blog.br.de/mensch-und-tier/2016/04/06/neunauge-lamprete-fisch/

Das neue Mallorca

Cala Millor, 1959 · fotosantiguasdemallorca.com

Süddeutsche Zeitung, 31.3.2016 · Als Gertrude Stein ihrem britischen Freund Robert Graves im Jahr 1929 sagte: “Mallorca ist ein Paradies, wenn du es ertragen kannst”, deutete sie etwas an, das bis heute Gültigkeit hat. Die Insel ist empfehlenswert, mit Einschränkungen. Damals waren der Preis für das Leben im Paradies verschlossene Einheimische, schlechte Anbindungen und wenig Komfort. Heute, knapp 90 Jahre später, arbeitet jeder dritte Mallorquiner mit Touristen. Die Straßen sind jetzt im Frühjahr voller Radler und der Sommer 2016 soll wieder eine Rekord-Saison werden. 13,5 Millionen Urlauber kamen 2014 nach Mallorca, Menorca, Ibiza und Formentera. Mittlerweile sind es die Mallorquiner, die sich fragen, wie lange sie ein solches Paradies ertragen wollen.

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Ein Land im Standby-Modus

Mehr als zwei Monate nach den Wahlen hat Spanien noch immer keine Regierung

NZZ am Sonntag, 28.2.2016 · Der Sozialist Pedro Sánchez wird diese Woche wohl mit einer Regierungskoalition scheitern. Das Land steuert auf Neuwahlen Ende Juni zu.

Ab Dienstag wird sich entscheiden, ob die Spanier erneut an die Urnen müssen. Die Parlamentswahlen vom 20. Dezember haben dem Land das Ende des Zweiparteiensystems beschert und die Politiker vor neue Herausforderungen gestellt. Galt es bisher, den Gegner zu diskreditieren, müssen nun vier Formationen die Bildung einer Regierung aushandeln: die konservative Volkspartei PP, die sozialistische Arbeiterpartei PSOE und die beiden Newcomer-Parteien Ciudadanos (Bürger) und Podemos (Wir können). Sie erhielten 13,9 beziehungsweise 20,7 Prozent der Stimmen.

So bunt war das Parlament noch nie. Die Sitzverteilung nach den Wahlen am 20. Dezember 2015. Quelle: elempresarial.com
Überdruss im Volk

Anfangs war die Situation spannend, doch nach mehr als zwei Monaten Verhandlungsmarathon macht sich bei den Spaniern Überdruss breit. Alles deutet auf Neuwahlen am 26. Juni hin. Denn ein mehrheitsfähiger Pakt wird sich wohl nicht mehr ergeben.

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100.000 Hektar Meer werden vor Galiciens Küste geschützt

In Nordspanien wurde ein international wegweisendes Modell für den Meeresschutz entwickelt.

Der Standard, 11.2.2016 · Superlative ziehen durch die Medien, wenn Länder wie Australien, Kamerun oder der Inselstaat Kiribati und das Cook-Archipel die Ausweisung neuer Meeresreservate bekanntgeben. “Größtes Schutzgebiet der Welt” heißt es, oder “so groß wie Frankreich und Deutschland zusammen”. Antonio García Allut lässt sich von solchen Nachrichten nicht beeindrucken. Der 59-jährige Spanier misstraut ihnen ganz einfach. “Hier geht es um gutes Image”, sagt der Galicier in seinem Büro in A Coruña, “solche Riesenreservate haben meistens keinen vernünftigen Verwaltungsplan”. Sie beförderten sogar illegalen Fischfang, sagt der Professor für Anthropologie, “denn Kontrollen kann man auf diesen enormen Gebieten kaum mehr durchführen”.

Hier begann alles, an der Küste des Örtchens Lira. Foto: Lonxanet.

García Allut macht das anders. Seit sechs Jahren arbeitet er mit Unterstützung der internationalen Stiftung Ashoka und eines galicischen Textilimperiums an einem nachhaltigen Verwaltungsplan hinsichtlich Galiciens Fischreichtums. Die nordwestspanische Region hat eine Flotte von 4300 Kuttern, die vor der 1200 Kilometer langen Atlantikküste arbeiten. 14.000 Menschen leben in Galicien direkt vom Fischfang, von Muschelzucht oder vom Sammeln diverser Meerestiere in den fjordähnlichen Küstenabschnitten Galiciens. Die Region stand bislang für hochwertige Meeresprodukte, großen Artenreichtum, und, so García Allut, “eine stark vom Meer geprägte Identität”.

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Das Fest der Vampirfische

Der Standard, 21.1.2016 · Im Frühjahr kommen in Spanien und Portugal Meerneunaugen an die Atlantikküste. Der Appetit auf das aalförmige Wirbeltier ist groß.

Neunaugen gibt es seit mehr als 300 Millionen Jahren. Nun sind sie massiv vom Aussterben bedroht.

Zwischen Jänner und Mai herrscht in dem spanischen Dorf Arbo Hochsaison: Dann kommen die Neunaugen. Sie ziehen vom Atlantik den Fluss Miño hinauf, um sich zu paaren und abzulaichen. Arbo liegt in Galicien, nahe der der Grenze zu Portugal. 60 Kilometer hinter der Küste haben die Fischer ihre Reusen aufgehängt. Was gefangen wird, kommt in den Topf. Tausende Gäste wollen jedes Jahr im April Neunaugen kosten. Sie kommen zur Festa da Lamprea, die mehrere Tage dauert.

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