«Alfonso will nur mich»

Spanien blickt auf ein groteskes Grossereignis

Die 85-jährige Herzogin von Alba heiratet am 5. Oktober einen 24 Jahre jüngeren Beamten. Die sechs Kinder der Braut forderten zuerst ihr Erbe, und die Bevölkerung dichtet Spottlieder.

Brigitte Kramer, Neue Zürcher Zeitung, 5.10.2011

Sie ist adliger als König Juan Carlos, doch keine Krone ziert ihr Haupt. Die Herzogin von Alba, Trägerin von mehr als 70 Titeln, ist dafür Spaniens Society-Queen. Sie ist eigenwillig, temperamentvoll, umstritten, nicht immer stilsicher und derzeit noch öfter in der Presse als gewöhnlich. Denn María del Rosario Carolina Cayetana Paloma Alfonsa Victoria Eugenia Fernanda Teresa Francisca de Paula Lourdes Antonia Josefa Fausta Rita Castor Dorotea Santa Esperanza Fitz-James Stuart y de Silva Falcó y Gurtubay, so heisst die Chefin des Hauses Alba offiziell, ist verliebt.

Familientermin beim Notar

Am 5. Oktober wird die 85-jährige, zweifach verwitwete Adelige ihren Bräutigam Alfonso heiraten, in der Hauskapelle ihres Palastes in Sevilla. Dazu musste Doña Cayetana erst das Einverständnis ihrer sechs Kinder einholen. Die verlangten ihr Erbe, bevor es der potenzielle Erbschleicher bekommen könnte. Bei der Verbindung sei nur Liebe im Spiel, beteuern beide. Es geht aber auch um eines der grössten Vermögen Spaniens: Der Besitz der Nachfahrin von König Jakob II. von England und dessen Geliebter Arabella Churchill (Ahnin des ehemaligen britischen Premierministers) wird auf zwischen 850 Millionen und 5 Milliarden Dollar geschätzt. Um des Friedens willen traf sich die Familie im Juli in Madrid beim Notar, um das Erbe zu verteilen. Nun ist die Duquesa de Alba offiziell besitzlos, wenngleich sie ihre Paläste, Kunstsammlungen, Ländereien und Antiquitäten noch selbst verwaltet. Der Verlobte, ein attraktiver 61-jähriger Beamter aus der Provinz, sagte kürzlich in seinem ersten Interview, er sei ein einfacher Mensch mit Vorliebe für das Einfache. Und seine Verlobte fügte an: «Alfonso will nichts von meinem Geld, er will nur mich.»

Das Fest wird nun fast wie eine Königshochzeit erwartet: In Sevilla werden T-Shirts und Souvenirs angeboten, Musiker komponieren Spottlieder: Es werde nicht die Hochzeit des Jahrhunderts, sondern die Hochzeit der «eineinhalb Jahrhunderte» gefeiert, heisst es in Anspielung auf das Alter der Brautleute. Das Kleid der zierlichen Dame mit dem weissen Lockenschopf und den auffälligen Gesichtszügen ist ein Geheimnis. Die Modeschöpfer Victorio & Lucchino verrieten der Presse nur, dass es kein weisses Braut-, sondern ein «aufwendig gearbeitetes» Abendkleid sei, vermutlich mit spanischen Accessoires wie Fächer, Schultertuch und Steckkamm. Cayetana Fitz-James Stuart ist praktizierende Katholikin, liebt Stierkämpfe und entwirft gerne opulente Anzüge für ihre bevorzugten Toreros.

Es funkte im Kino

Der Bräutigam, als Frühaufsteher, Kinofan und galanter Kollege bei der Spanischen Sozialversicherung bekannt, hat sich vor seinem grossen Schritt vom Dienst beurlauben lassen. Der ewige Junggeselle mit einem geschätzten Monatseinkommen von 1500 Euro, wie «El País» recherchiert hat, ist offenbar ein langjähriger Verehrer von Doña Cayetana. Sein älterer Bruder war mit Cayetanas zweitem, verstorbenem Ehemann befreundet. Vor dreissig Jahren wurde Alfonso der Duquesa in Madrid einmal vorgestellt, vor drei Jahren sind sich die beiden in Madrid in einem Kino über den Weg gelaufen – Alfonso bat die Herzogin um eine Verabredung. Der Rest ist Geschichte.

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