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Feigenzeit

100 Sorten gibt’s auf der Insel. Dunkle und helle, runde und ovale, trockene und fleischige…die Namen kann ich nicht übersetzen. Dem Markthändler liegen sie in der Hand wie Vögelchen. Ein Dutzend hab ich gekauft, eigentlich sollte man sie selber pflücken und dabei den Geruch der heruntergefallenen riechen, die unter der Baumkrone im Schatten vergären. Schwarze Schweine sollen sich früher daran berauscht haben, oder ist das jetzt aus einer Geschichte von Margaret Atwood (oder Alice Munro : / ). In Kanada gibt’s doch keine Feigen, oder? Wahrscheinlich waren es alkoholisierte Äpfel.

Feigenbäume wie der hier abgebildete sind beeindruckend, da kann eine ganze Kindergartengruppe darunter Brotzeit machen und Häuslein spielen, ach was, Villa spielen! Mich beeindrucken die Bäume aber mehr im Winter, sagen wie Februar. Sie stehen komplett kahl da, grau und tot wirken sie nach den letzten Herbststürmen. Und dann wachsen plötzlich doch wieder diese zusammengefalteten Blätter aus den Astspitzen, wo ich doch im Vorbeigehen immer denke „der ist abgestorben, da kommt nichts mehr.“ Und doch kommt wieder was. Und zwar zuerst diese Blätter, die sich wie Hände zum Himmel hin öffnen, in kürzester Zeit, und danach sitzen auch schon kleine grüne Feigen an den Zweigen, in Nullkommanichts. „Das gibt’s doch nicht, gestern noch tot, heute schon Feigen dran“, denke ich. Ich hab’s noch nie geschafft, eine Feigenblüte zu sehen.

Mary Wigman hätte an den sprießenden Feigenbäume ihre Freude gehabt. Ausdruckstanz in Zeitlupe.

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