Bunyola, zweite Hälfte 19. und Anfang des 21. Jahrhunderts

Ich lebe in Bunyola. Im Rathaus ging es gestern hoch her. Ein Anwesender musste den Saal verlassen, Beleidigungen wurden ausgetauscht. Der Bürgermeister hat sich und seinem Vize das Gehalt erhöht, in Zeiten der Krise…

Bei der Arbeit an meinem Roman habe ich eine Zeichnung gefunden (ganz oben), von dem Habsburger Erzherzog Ludwig Salvator gefertigt. Er hatte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts insgesamt 12 Anwesen im Tramuntana-Gebirge gekauft, mit Geld der kaiserlichen Krone in Wien. Sie bilden heute das Herz des Welterbe-Gebietes.

Bunyola hat er nicht gekauft, aber porträtiert. Im Dorf lebten damals vor allem Tagelöhner, Köhler und Arbeiter auf den Anwesen Raixa, Alfabia, Cocons oder Biniforani. Sie gehörten den Familien des mallorquinischen Landadels, die meistens in Palma lebten und die Verwaltung der Güter den «Amos» überließen. Das Leben in der Feudalgesellschaft von damals beschreibt Llorenç de Villalonga in seinem Roman «Bearn». Die Bewohner dieses scheinbar idyllischen Dorfes – auch heute noch – streiten sich oft heftig. Das Dorf ist gespalten. Ehemalige Untertanen und Nachkommen despotischer Grundbesitzer versuchen sich in Selbstverwaltung … Wie lang der Weg zu einer reifen Demokratie ist, das konnte man gestern im Rathaus lernen.

Die Welt ist voll von falschen Paradiesen.

One thought on “Bunyola, zweite Hälfte 19. und Anfang des 21. Jahrhunderts

  1. Zitat: Die Welt ist voll von falschen Paradiesen.
    Oh ja!
    Allerdings erdenkt man sich als Urlauber, aber vor allem aus Auswanderer, die meisten Paradiese selbst! Oder solle ich sagen: gaukelt man sich die Paradiese selbst vor…?

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