Verarmte Familie stirbt an giftiger Mahlzeit

In Sevilla ist eine mittellose Familie nach dem gemeinsamen Abendessen gestorben. Die Todesursache ist unklar. Anwohner protestieren gegen die grassierende Armut.

NZZ, 20.12.2013 · Eine Tragödie hat sich kurz vor Weihnachten in einem Vorort von Sevilla abgespielt. Drei Mitglieder einer vierköpfigen Familie sind dort in der Nacht des 14. Dezembers umgekommen, nachdem sie gemeinsam zu Abend gegessen hatten. Laut ersten Untersuchungen erlagen der 61-jährige Vater, die 50-jährige Mutter und eine 14-jährige Tochter einer Fischvergiftung. Die zweite, 13-jährige Tochter überlebte mit leichten Symptomen. Die Autopsie der Verstorbenen legte nun andere Spuren.

Der schnelle, heftige Tod nur wenige Stunden nach dem Essen deute eher auf ein Nervengift hin, das absichtlich oder versehentlich in das Essen gelangt sei, sagten Forensiker. Dafür sprechen Symptome wie der Verlust der Sehkraft und des Gehörs, unter denen die Opfer kurz vor ihrem Tod litten. Die Polizei hatte bei einer Durchsuchung der Wohnung nach giftigen Substanzen nichts Verdächtiges gefunden. Eine dritte Hypothese lautet Selbstmord und Mord: Der Vater, ein arbeitsloser Klempner, hatte vor einigen Monaten versucht, sich das Leben zu nehmen, wie die Tageszeitung «El Mundo» berichtet. Er könnte aus Verzweiflung sich selbst, seiner Frau und den beiden Töchtern Gift ins Essen gemischt haben.

Die Lage der Familie war schwierig, beide Eltern waren seit Jahren arbeitslos. Sie lebte von dem Geld, das der Vater durch Gelegenheitsarbeiten und beim Handel mit Altpapier und anderem Recycling-Abfall verdiente. Ein Antrag auf Sozialhilfe war in Bearbeitung. Nachbarn berichteten, die Familie habe regelmässig in Supermärkten abgelaufene Lebensmittel abgeholt. Das letzte Abendessen der Opfer war allerdings frisch und gekauft, wie die überlebende Tochter bestätigte. Trotzdem wird der Vorfall nun mit der Armut in Andalusien in Verbindung gebracht. Während das Staatliche Toxikologische Institut weiter nach der Todesursache sucht, finden am Wohnort der Verstorbenen regelmässig Demonstrationen statt. «Die Armut hat diese Familie getötet», riefen Nachbarn und Verwandte vor dem Rathaus, «das Volk kann nicht mehr!»

http://www.nzz.ch/aktuell/panorama/verarmte-familie-stirbt-in-sevilla-an-giftiger-mahlzeit-1.18208058

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