Buchtenwandern in der Tramuntana

Foto: Tom Gebhardt

Banyalbufar (dpa) 17.9.2013 · Es riecht nach Kiefern und trockenen Gräsern, der Blick streift über das weite Blau des Mittelmeers. Während der Wind den Schweiß auf der Stirn trocknet, geht es das letzte Stück des Alten Postweges hinab. Die schmale Asphaltstraße ist hier sehr steil, fast scheint sie im blauen Nichts zu münden. Esel knabbern am Wegrand, unbeirrt von dem atemberaubenden Meerblick, Tomaten und Trauben reifen im Licht der untergehenden Sonne. Wer die letzten Meter hinter sich hat, taucht in der steinigen, geschützten Bucht von Banyalbufar ins Wasser.

Banyalbufar liegt an Mallorcas steiler Westküste. Die Landstraße Ma-10 durchzieht den gesamten, 90 Kilometer langen Tramuntana-Gebirgsrücken von Andratx bis Pollença. Die ersten Kilometer im Südwesten führen durch die verkohlten Reste des verheerenden Waldbrandes von Mitte August. Mehr als 2000 Hektar Fläche wurden damals zerstört. Fast tröstlich ist da der Blick auf das Meer, das auf der linken Seite beständig ruht.

Auf der rechten Seite sieht man einige der 54 Tausendergipfel, die die Tramuntana-Kette krönen. Ihre Hänge fallen immer wieder ins Wasser ab. Unzählige Buchten locken jetzt im Herbst mit milden 20 bis 24 Grad Wassertemperatur. Kaum ein Tourist verirrt sich um diese Jahreszeit an die kleinen Steinstrände von Estellencs, Banyalbufar, Port des Canonge oder Estaca. Und die Einheimischen sind nach dem langen Sommer zum Alltag zurückgekehrt.

Deshalb gehört die Serra de Tramuntana im Herbst den Wanderern. Auf ihren 1100 Quadratkilometern bietet die Gebirgskette fast alles, was Naturliebhaber brauchen. Die Unesco hat die Gipfel und Schluchten, Hänge und Buchten 2011 unter Schutz gestellt. Seitdem gibt es hier im Westen nicht viel Neues. Pläne, die Verwaltung des Welterbes zu zentralisieren und neue Nutzungsmöglichkeiten auszuweisen, scheitern bislang am Geld und am politischen Konsens. Schließlich müssen sich 20 Gemeinden und zahlreiche private Grundbesitzer darüber einigen, wie man den Schutzstatus nutzen soll.

In Banyalbufar scheint die Zeit stillzustehen. Der Ort schmiegt sich mit seinen erdfarbenen Häusern an die Steilküste und findet kaum Platz zwischen Gebirge und Meer. Hier endet einer der ältesten Handelswege der Insel, der Alte Postweg aus dem frühen 15. Jahrhundert. Noch heute führt er von der Dorfkirche von Esporles rund acht Kilometer weit über den Sattel Coll d’es Pí. Bei einer Wanderung auf dem Weg erleben Besucher die Vielfalt des Tramuntana-Gebirges: Anfangs, an der dem Meer abgewandten Gebirgsseite, geht man unter Steineichen und Erdbeerbäumen. Später wandert man vorbei an Gutshöfen, wo auf weitläufigen Ländereien Mandel-, Johannisbrot- und Olivenbäume wachsen.

Auf dem Pass angelangt, führt der Weg dem Meer entgegen, vorbei an Aleppokiefern, Feigenbäumen und Oleander. Felder säumen die Hänge, die vor mehr als 1000 Jahren von den Arabern terrassenförmig angelegt wurden. Von Banyalbufar führt auch ein Küstenweg etwa eine Stunde lang nach Port d’es Canonge. Der waldige Weg geht flach dahin. Am Ziel wartet wieder eine gemütliche Bucht, in dem Örtchen gibt es ein gutes Restaurant und eine Bar.

Das Nachbardorf, etwas südwestlicher gelegen, ist ähnlich angelegt. Auch hier führen enge Gassen durch den Ort und dann zwischen Tomatengärten, lila leuchtenden Bougainvilleen und wilden Schilfhainen dem Meer entgegen. Am überwucherten Bachbett entlang verläuft die Straße etwa eine halbe Stunde durch Mallorcas Garten Eden. Am Ende gibt es in der kleinen Badebucht Bewirtung in der Strandbar «Sa Punteta». Man kann aber auch erst nach dem steilen Rückweg oben im Dorf einkehren.

Weiter nordöstlich an der Küste gelangt man von Valldemossa aus in die Estaca-Bucht. Mit dem Auto fährt man auf der Serpentinenstraße zum Hafen hinunter und kurz vor Kilometerstein vier biegt man in einer Linkskurve rechts ab. Vom Parkplatz führt ein Fußweg etwa 45 Minuten lang flach dahin, vorbei an ein paar Ferienhäusern mit beneidenswerter Lage. Schließlich geht es hinunter zu einer Handvoll Häuser, die sich um die Badebucht drängen.

Proviant muss man selber mitbringen, ebenso wie Taucherbrille und Badeschuhe, die das Erlebnis ungemein bereichern. Die Halbtagesausflüge zu diesen kleinen Buchten sind Teil mallorquinischer Lebensart. Bei den Insulanern sind sie sehr beliebt. Wer absolut ungestört wandern und schwimmen will, sollte eine Tour unter der Woche unternehmen.

http://www.rp-online.de/reise/news/der-herbst-in-mallorcas-tramuntana-gebirge-1.3682214

http://www.nikos-weinwelten.de/beitrag/mallorca_im_herbst-1/

http://www.rnz.de/rnzreise/00_20130917111800_107030035_Einsame_Buchten_und_steile_Wege_Herbst_in_Mall.html#ad-image-2

http://www.sueddeutsche.de/reise/mallorca-im-herbst-buchtenwandern-in-der-tramuntana-1.1776318

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