Vater wegen Doppelmordes an seinen Kindern verurteilt

Ein ehemaliger Berufssoldat soll im Oktober 2011 seine beiden Kinder ermordet haben, um sich an seiner Ex-Frau zu rächen. Ihm drohen 40 Jahre Haft.

NZZ, 13.7.2013 · In Spanien ist am Freitag der Gerichtsprozess zu einem der spektakulärsten Mordfälle zu Ende gegangen. Ein Geschworenengericht befand einen angeklagten Vater einstimmig für schuldig, im Oktober 2011 seine damals sechs und zwei Jahre alten Kinder «mit Hinterlist» ermordet und auf einem Anwesen am Stadtrand von Córdoba verbrannt zu haben. Ein Richter muss nun das Urteil bestätigen und die Strafe festlegen. Staatsanwalt und Kläger fordern 40 Jahre Haft. Als Motiv gilt Rache an seiner Ex-Ehefrau, die sich drei Wochen zuvor von ihrem Mann getrennt hatte. Der Vater meldete am 8. Oktober 2011 die Kinder als vermisst. Er gab an, sie auf einem Spielplatz verloren zu haben.

Trotz der Beweislast leugnete der Angeklagte bis zum Schluss die Tat und blieb bei der Erklärung, seine Kinder verloren zu haben. Der Spanier hatte Schlafmittel, Brennholz und Benzin in grossen Mengen gekauft, Anrufe von seinem Handy gelöscht und zuvor mit zwei Neffen das Verhalten von alleingelassenen Kindern auf einem Spielplatz studiert. Am Abend des Verschwindens hatten Anwohner der Finca einen ungewöhnlichen Geruch wahrgenommen. Direkte Augenzeugen gab es aber keine. Offenbar hatte der Mann die Leichen in einem Ofen verbrannt. Die verkohlten Knochen konnten wegen der grossen Hitze keiner DNA-Analyse mehr unterzogen werden.

Der Fall aus Andalusien hat die spanische Öffentlichkeit fast zwei Jahre lang beschäftigt: anfangs die Vermisstenanzeige des Vaters, dann die monatelange Suche, schliesslich der Verdacht, letztlich die Spurensuche auf dem Grundstück, wo Reste zuerst Nagetieren zugeschrieben wurden. Ein Forensiker beschrieb diese bei einer zweiten Untersuchung schliesslich als Reste bleibender Zähne, die im verkohlten Kieferknochen der Kinder sassen. Der Befund gab dem Fall im Sommer 2012 die entscheidende Wendung.

Zur Urteilsfindung hatten sich die Geschworenen mehr als drei Tage beraten. Der einstimmige Schuldspruch überraschte niemanden: Schon kurz nach dem Verschwinden der Kinder wurde der Vater als Hauptverdächtiger in Untersuchungshaft geschickt. Sein geplantes Vorgehen und die Vortäuschung eines anderen Verbrechens – Kindsentführung durch Dritte auf dem Spielplatz – führten in der Öffentlichkeit zu einer Vorverurteilung.

Der Angeklagte verlor während der Zeugen-Anhörung kein einziges Mal die Fassung. Psychologen beschrieben den ehemaligen Berufssoldaten als «strengen, kalten, manipulativen und dominanten Menschen». Psychische Störungen stellten sie keine fest. Seine Ex-Frau, die als Klägerin auftrat und sich beim Prozess durch eine Stellwand von dem Angeklagten abschirmen liess, beschrieb das Zusammenleben mit ihrem Ex-Mann wie folgt: «Man kann meine Ehe nicht als Leben bezeichnen. Ich war unglücklich, ausgelöscht.»

http://www.nzz.ch/aktuell/panorama/vater-wegen-doppelmordes-an-seinen-kindern-verurteilt-1.18115888

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