Im Schatten des Massentourismus: Suppenküchen auf Mallorca

FOTO: Tom Gebhardt
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Von Brigitte Kramer, dpa Palma de Mallorca (dpa) – Mallorca im Mai: Das Wasser in der Bucht von Palma ist noch zu kalt zum Baden, doch an der Strandbar «Ballermann» wurde schon mal die Saison eingeläutet, mit Jürgen Drews und Mickie Krause. Jetzt heißt es wieder Party bis zum Herbst. 13 Kilometer westlich, in Palmas Altstadt, geht es in diesen Tagen weniger ausgelassen zu: In der Suppenküche der Hilfsorganisation Zaqueo essen täglich rund 250 Menschen.

· Jeden Tag zwischen 17.00 und 19.00 Uhr warten vor der kleinen Tür Hungrige auf ein Abendessen. Der enge Raum füllt sich mit Menschen, die zu wenig Geld haben, um sich selbst zu versorgen. In dem ehemaligen Gemischtwarenladen riecht es nach Schweiß und warmem Essen. Auf der Karte steht Bohneneintopf mit Schinken und Brokkoli. Dazu gibt es kalte Gemüsepizza oder belegte Brote, als Nachtisch Gebäck, Obsttorte und warmen Kakao sowie Limonade und Wasser, Äpfel und Orangen.

Die Suppenküche liegt an der Plaça Mercadal, zwischen einem neuen Vier-Sterne-Hotel und vielen leerstehenden Geschäften. Die Arbeitslosenquote auf Mallorca ist auf fast 28 Prozent gestiegen.

Catalina Cunill, die Vorsitzende von Zaqueo, erlebt seit drei Jahren Veränderungen. Früher seien vor allem Alkoholiker, Junkies und Obdachlose gekommen, berichtet sie. Jetzt sehe sie immer mehr Angehörige der Mittelschicht in der Suppenküche: ehemalige Angestellte, Arbeiter und Selbstständige, die ohne Job sind und deren Arbeitslosenhilfe ausgelaufen ist. «Sie schämen sich, hier zu essen», sagt Cunill. «Deshalb nehmen sie das Essen in Dosen mit nach Hause.»

Rund 270 000 Menschen leben auf Mallorca und den übrigen Balearen mittlerweile an der Armutsgrenze oder darunter, fast ein Drittel der Gesamtbevölkerung. Davon sind 45 000 minderjährig. Das hat das European Anti Poverty Network (EAPN) jüngst errechnet. Mallorcas Arme halten sich mit einer Sozialhilfe von rund 300 Euro im Monat über Wasser, leben zur Untermiete oder bei Verwandten.

Fürs Essen reicht das Geld oft nicht mehr. Die Zahl der Armen ist seit Beginn der Wirtschaftskrise in Spanien 2008 unaufhörlich gewachsen. Caritas Mallorca spricht bereits davon, dass die Armut auf der Insel «chronisch» geworden sei. Die kirchliche Vereinigung fordert die Gesellschaft regelmäßig zu Spenden auf, denn in ganz Spanien gibt es immer weniger Geld für Soziales. Die Stadt Palma kürzte beispielsweise 2012 die Ausgaben für Soziales um 14 Millionen Euro.

Hilfe leisten nicht nur solidarische Bürger. Vieles von dem, was die 250 Gäste in der Suppenküche Zaqueo jeden Tag in ihrer Schüssel finden, kommt aus Hotelküchen und Supermärkten der Stadt. So hat das benachbarte Hotel an der Plaça Mercadal am Tag nach der Eröffnung Mitte Mai all das der Suppenküche gespendet, was auf dem Buffet unberührt liegengeblieben war: Häppchen mit Lachs und Lauch, Fingerfood, Törtchen und Sushi – ein Festtag für Palmas Arme.

http://www.greenpeace-magazin.de/tagesthemen/einzelansicht/artikel/2013/05/15/im-schatten-des-massentourismus-suppenkuechen-fuer-arme-auf-mallorca/

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