Roberto Bolaños Schreibtisch

Eine Ausstellung in Barcelona zeigt den Nachlass des 2003 verstorbenen Schriftstellers

Roberto_Bolaño_en_BarcelonaNZZ, 13.3.2013⋅ 230 Exponate zeigen seit dem 5. März den Nachlass des Schriftstellers Roberto Bolaño. Das Kulturzentrum CCCB in Barcelona widmet dem 2003 verstorbenen Autor eine grosse Schau. Bolaño wurde 1953 in Chile geboren und lebte seit 1977 mit seiner Frau in Katalonien, genauer in Blanes, einem Küstenort in der Nähe von Barcelona. Auch seine beiden Kinder wurden dort geboren. Fast alle von Bolaños Werken sind in Spanien erschienen, die meisten postum, darunter der gefeierte Roman «2666».

Zehn Jahre nach Bolaños Tod hat die Witwe Carolina López nun eingewilligt, einen Teil des unveröffentlichten Nachlasses sowie persönliche Objekte ihres Mannes der Öffentlichkeit zu zeigen. Die Ausstellung «Archivo Bolaño 1977–2003» besteht aus Manuskripten zu siebzehn Erzählungen und vier Romanen, aus Fotografien, Gesellschaftsspielen, Brillen, Tonbandaufzeichnungen mit Interviews, Spiralheften, Servietten oder losen Blättern, auf die der Dichter und Romancier Zeitungsnachrichten geklebt und die er mit Versen, Stilübungen oder autobiografischen Betrachtungen gefüllt hat. Sie vermitteln einen Eindruck über den Lebensstil, die Schaffenskraft und die mentale Verfassung des Autors, der an einer Stelle schrieb: «Fieberhafte Tage in Barcelona, mit zerknitterten Kleidern und aufgesprungenen Lippen.»

Zwei Jahre lang hat die Witwe die Schau vorbereitet, mit Hilfe der Kuratoren Valerie Miles (Herausgeberin der internationalen Literaturzeitschrift «Granta en español») und Juan Insua (Leiter des CCCB). Sie haben 14 374 Manuskriptseiten gezählt und mehr als 1000 Briefe gesichtet. Die Exponate sind zum Teil mehr als vierzig Jahre alt. «Roberto hat nichts weggeworfen», sagte López bei der Präsentation. Der Autor wusste seit langem, dass er an einer lebensbedrohenden Hepatitis-Erkrankung litt. Die Tatsache, dass er all seine Texte aufbewahrt hat, setzen López und ihre Helfer mit einem stillschweigenden Einverständnis zur Veröffentlichung gleich.

Nur ein Teil seiner Produktion wird nun gezeigt. «All das ist eine erste Annäherung, wir gehen die Sache langsam an», sagte López. Die Ausstellung sei ein Versuch, die unbekannte Seite von Bolaños Alltag zu zeigen. Sie offenbare, welche Mühen der Autor auf sich nahm, um den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden. Auch mit der Veröffentlichung der Werke will sich die Witwe Zeit lassen. Sie wolle erst die Übersetzungen der bereits erschienenen Romane und Erzählungen und deren internationale Rezeption abwarten. Bisher sind von Roberto Bolaño dreizehn Romane, fünf Erzählbände, sechs Gedichtsammlungen und zahlreiche Publikationen in Literaturzeitschriften erschienen. Der Schriftsteller, der erst spät literarische Anerkennung erfuhr, zählt heute zu den wichtigsten Vertretern der spanischsprachigen Literatur. Sein Werke wurde in 35 Sprachen übersetzt. www.cccb.org

http://www.nzz.ch/aktuell/feuilleton/kunst_architektur/roberto-bolanos-schreibtisch-1.18045298

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