Mallorcas Umweltschützer feiern Erfolge – und ein Jubiläum

Mallorcas Umweltschutzgruppe GOB feiert 40-jähriges Bestehen. Ihr langjähriger Leiter, Miguel Ángel March, erinnert sich an den Kampf gegen Raubbau und Zersiedelung auf der Ferieninsel. «Ohne uns sähe Mallorca jetzt anders aus», sagt er.

Miguel Angel March, führte 20 Jahre lang den Kampf gegen Raubbau und Zersiedelung auf Mallorca. Foto: Tom Gebhardt
Miguel Angel March, führte 20 Jahre lang den Kampf gegen Raubbau und Zersiedelung auf Mallorca. Foto: Tom Gebhardt

Palma de Mallorca (dpa) – Miguel Ángel March ist heute wieder ein Durchschnittsbürger auf der Ferieninsel Mallorca. Der 54-Jährige ist Lehrer für Geschichte und Geografie an einem Gymnasium in Palma de Mallorca. Bis 2007 war March eine herausragende Figur des öffentlichen Lebens. 20 Jahre lang führte er als Leiter der Umweltschutzgruppe  GOB  den Kampf gegen Raubbau und Zersiedelung.

Seit ihrer Gründung im Jahr 1973 steht der Zusammenschluss für den Schutz von Mallorcas natürlichem Reichtum. Massentourismus, Bevölkerungszuwachs und Ansturm von Neubürgern aus dem Ausland: Mallorcas Erfolg als Urlaubsziel und sonniger Wohnsitz schien ins Unendliche zu wachsen. Als ein Gegenpol bildete sich die GOB, die erste und bis heute wichtigste Umweltschutzgruppe auf der Insel. Den größten Erfolg sieht March in einem generellen Bewusstseinswandel der Bevölkerung. «Anfang der 80er Jahre waren Demos mit 10 000 Menschen ein Bombenerfolg, heute mobilisieren wir bis zu 40 000», erinnert sich der frühere GOB-Chef.

Als zweiten großen Erfolg nennt March den Erlass des balearischen Landschaftsschutzgesetzes ANEI (Àrea natural d’especial interès) im Jahr 1991. Heute stehen knapp 50 Landstriche unter Schutz, die «vorher nach Bebauung gerufen haben», sagte March der Nachrichtenagentur dpa. Ohne die GOB wäre Mallorca landschaftlich bedeutend ärmer.

Viele Gebiete blieben vom Bauboom unberührt: Dazu gehören die vorgelagerten Inselchen Sa Dragonera und Cabrera, die Doppelbucht Mondragó im Süden, das Feuchtgebiet s’Albufera im Norden oder die lange Sandbucht von Es Trenc an der Südküste, einer der bekanntesten Naturstrände Mallorcas. «Es Trenc wäre ohne unseren Kampf schon längst zugebaut worden», erzählt March. Der Strand ist das Symbol vieler gewonnener Schlachten.

Direkt daneben, in Ses Covetes, stehen 16 Rohbau-Ruinen aus dem Jahr 1994. Ein Jahr nach Baubeginn verklagte die GOB die Bauherren und die Gemeinde: Die Anlage stehe zu nah am Meer, klagten die Umweltschützer. Es folgte ein Justizstreit, der sich 17 lJahre lang hinzog und bis zum Obersten Gerichtshof nach Madrid führte. Ende 2012 wurde nun in letzter Instanz entschieden, dass die Ruinen bis Mai verschwinden müssen – ein symbolträchtiger Erfolg für Mallorcas Umweltbewegung.

Ein Misserfolg sei dagegen die Bebauung des langen Küstenabschnittes Playa de Muro im Nordosten der Insel, räumt der Umweltschützer ein. Noch in den 1990er Jahren entstanden dort in den Dünen Hotels, die das gesamte Ökosystem schädigten. «Für die Küste von Calvià sind wir zu spät gekommen, aber in Muro hätten wir mehr erreichen müssen.»

Der Kampf richtet sich oft gegen jene, die eigentlich für Landschaftsschutz stehen müssten: Mallorcas Hoteliers. Das neue Schlagwort Qualitätstourismus fordere den Schutz natürlicher Ressourcen, sagt March. «Vielen Hoteliers wird das erst allmählich bewusst, andere sind schon weiter.»

Sechs Festangestellte, 5 000 Mitglieder und viele Freiwillige arbeiten bei der GOB für ein neues Modell im Umgang mit Ressourcen. Sie wenden sich gegen eine weitere Bebauung der Insel, gegen Wasserverschwendung und Müllverbrennung. Ende Januar bildeten 2 500 Demonstranten in der Bucht von Palma eine Menschenkette, um gegen die Verbrennung importierten Mülls zu demonstrieren. Die GOB hatte dazu aufgerufen. March reihte sich als normaler Demonstrant in die Kette ein. «Ich bin zuversichtlich», sagt er nach dem Erlebnis. «Manchmal schaffen wir es, die Blase zu durchdringen, in der die Politiker leben.» Denn: «Gegen das Volk will letztlich keiner regieren.»

http://www.greenpeace-magazin.de/tagesthemen/einzelansicht/artikel/2013/02/19/mallorcas-umweltschuetzer-feiern-erfolge-und-ein-jubilaeum/

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