Auf Mallorca wächst Unzufriedenheit mit Madrider Regierung

Katalanen und Basken wollen zu Spanien auf Distanz gehen. Auch auf Mallorca und den anderen Inseln der Balearen wächst der Unmut über Madrid. Vom Mutterland lossagen wollen sich die Bewohner aber nicht.

Palma de Mallorca (dpa), 30.10.2012 – Katalonien will von Spanien unabhängig werden und dazu ein Referendum abhalten. Im Baskenland triumphierten separatistische Gruppen bei der Regionalwahl am 21. Oktober. Auch auf der Ferieninsel Mallorca und den Nachbarinseln Menorca, Ibiza und Formentera macht sich in der Bevölkerung Unzufriedenheit mit der Regierung in Madrid breit. Aber von Spanien lossagen will sich nur eine kleine Minderheit der Bewohner.

Auf der Inselgruppe der Balearen, die Katalonien kulturell und geografisch nahesteht, wirken seit langem separatistische Kräfte. Sie argumentieren ähnlich wie die Katalanen und wollen den Archipel zu einer «balearischen Nation» machen. Politische Beobachter halten es jedoch für unwahrscheinlich, dass der separatistische Funken auf die Ferieninseln überspringt.

Im Mittelalter hatte sich das im 13. Jahrhundert gegründete Königreich Mallorca nicht lange halten können. Nach wenigen Jahrzehnten wurde es in das mächtige Reich der Krone von Aragón eingegliedert, zu dem auch Katalonien gehörte. Die Balearen wahrten stets eine gewisse Affinität zu Katalonien, denn auf den vier Inseln werden – neben dem Spanischen – regionale Varianten des Katalanischen als Umgangs-, Schul- und Verwaltungssprachen gesprochen.

Wegen dieser kulturellen Eigenheit und der Insellage hegen nur wenige Einheimische nationalistische Gefühle für Spanien. Die meisten Bewohner von Mallorca, Menorca, Ibiza und Formentera fühlen sich vor allem ihrer Insel verbunden – Madrid ist weit entfernt.

Es geht auch ums Geld. Die Balearen zahlen beim Steuerausgleich landesweit am meisten drauf: Die rund eine Million Bewohner zahlen im Schnitt 14 Prozent mehr Steuergelder als in die Region aus Madrid zurückfließen. In Katalonien macht dieser Unterschied acht Prozent aus – Grund genug für dortige Separatisten, Proteste unter dem Slogan «Madrid beklaut uns» anzustimmen.

Mallorca und die anderen Balearen-Inseln sind mit ihren zehn Millionen Touristen im Jahr eine der wohlhabendsten Regionen Spaniens. Dennoch musste die Regionalregierung in Palma de Mallorca kürzlich zur Rettung ihrer Finanzen Hilfen aus Madrid erbitten. Dies schürt das separatistische Flämmchen und verstärkt Ressentiments gegenüber Ausländern.

Der Begriff «foraster» (Auswärtiger) wird auf Mallorca im bestimmten Kreisen abschätzig für all jene gebraucht, die nicht auf der Insel geboren wurden – mittlerweile knapp mehr als die Hälfte. Viele Einheimische meiden die großen Touristenmeilen wie Playa de Palma, Cala Ratjada oder Port d’Andratx, wo hauptsächlich Deutsche leben. Mallorquiner betreten diese Gegenden oft nur, um dort Geld zu verdienen.

Trotz einer latenten Angst vor Überfremdung schlagen diese Gefühle allerdings keine hohen Wellen. Dazu sind die Insulaner untereinander zu uneins. Auch zu einem unabhängigen Katalonien wollen sie nicht gehören. «Pro-katalanische Neigungen hegt auf den Inseln nur ein kleine Minderheit», betonte der balearische Parlamentspräsident Pere Rotger.

Bestrebungen für die Unabhängigkeit der Balearen sind politisch in der linken Gruppierung PSM-EN (Sozialistische Partei Mallorcas/Nationalistische Übereinkunft) gebündelt, die vier von 59 Sitzen im Regionalparlament hat. Parteichef Biel Barcelò räumt ein, dass die Balearen nicht reif sind für ein Unabhängigkeitsreferendum: 2000 Parteimitglieder und knapp ein Zehntel der Stimmen bei den letzten Regionalwahlen seien zu wenig, um die Bande mit Madrid zu trennen.

http://www.abendblatt.de/politik/ausland/article110493677/Auf-Mallorca-waechst-die-Unzufriedenheit.html

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