Treibgut

Mallorcas felsiger Westen schaut eigentlich aufs Festland, auf ein Örtchen namens Casablanca, an der valencianischen Küste. Doch gestern schwappte uns Treibgut aus Afrika entgegen, als wir im Seichten plantschten. Der Hafen von Valldemossa war das Ziel einer zerfetzten Milchtüte aus Béni-Tamou. Meine Tochter nutzte sie, um Steine zu sammeln, am Ende landete sie im Mülleimer. Doch vorher habe ich ein Foto gemacht. Zuhause ergab die Recherche: Die Fabrik «Laiterie de Béni-Tamou» liegt 30 km von der Küste entfernt, hinter Bou-Ismail: 330 km Luftlinie hat die Milchtüte im Mittelmeer zurückgelegt. Sie erzählte mir, dass Arbeiter in der Fabrik immer wieder streiken, für feste Verträge und mehr Lohn, seitdem Algerien die Molkerei 2005 privatisiert hat. Komischerweise arbeiten fast nur Männer dort, insgesamt 300, mit weißen Hütchen, in Gummistiefeln und Kitteln. Wo stehen die Kühe, deren Milch sie verarbeiten? Béni-Tamou schaut auf Google-Maps wie ein Schachbrett aus: Quadratische Flachdächer, rechtwinklige Straßen. Sonst gibt es fast keine Fotos von dem Ort.

Soll ich mal hinfahren?

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