Spanien trauert um Ruth und José

Wende im Drama um vermisste Kinder. Kriminalfall vor Aufklärung – Vater gilt als Verdächtiger

NZZ, 30.8.2012 · Ein Familiendrama, das während zehn Monaten Spaniens Öffentlichkeit beschäftigt hat, ist nun zu Ende gegangen. Der ehemalige Berufssoldat José Bretón hatte im vergangenen Oktober bei der Polizei seiner andalusischen Heimatstadt Córdoba eine Vermisstenanzeige aufgegeben. Seine damals sechs und zwei Jahre alten Kinder Ruth und José seien auf einem Spielplatz verschwunden. Ruth Ortiz, die Mutter der beiden Kinder, glaubte ihrem Mann nicht: Sie war davon überzeugt, dass der Vater die Kinder entführt habe, um sich an ihr zu rächen. Die Tierärztin hatte kurz vor deren Verschwinden die Scheidung beantragt.

Die monatelange Suche nach den beiden Kindern hat nun Schlimmes hervorgebracht: In einem Aschenhaufen auf einem Grundstück von Bretóns Eltern hat die Polizei Knochenreste gefunden, die zwei Kindern im Alter von sechs und zwei Jahren zugeordnet werden konnten. Da die Leichen bei einer Hitze von über 800 Grad verbrannt worden sind, sind keine eindeutigen DNA-Spuren mehr auszumachen, was die Identifizierung der Überreste darum verunmöglicht.

Bedenklich ist die Tatsache, dass die Polizei bereits zwei Tage nach dem Verschwinden der Kinder diese Knochen und Zähne analysiert hatte, sie aber fälschlicherweise kleinen Nagetieren zuordnete. Das Anwesen war danach mehr als ein Dutzend Mal ergebnislos durchsucht worden. Schliesslich bot sich ein renommierter Gerichtsmediziner aus dem Baskenland an, die Knochen unentgeltlich zu analysieren. «Man sah mit blossem Auge, dass sie menschlich waren», sagte er danach.

Obwohl einiges auf Bretóns Schuld deutet, streitet er das Verbrechen ab und bleibt bei seiner Version, die Kinder seien entführt worden. Ihm konnte bereits nachgewiesen werden, dass er vor ihrem Verschwinden 140 Liter Benzin und zwei Schachteln Beruhigungsmittel gekauft hatte. Ein psychologisches Gutachten bescheinigt dem Mann, der während des Balkankrieges in Bosnien stationiert war, grosse Intelligenz und einen manipulativen Charakter, aber keine Geisteskrankheit. Er sitzt seit Monaten in Untersuchungshaft und muss mit bis zu 40 Jahren Haft rechnen. Anwohner haben ihr Urteil bereits gefällt. Auf einer Absperrung der Finca haben sie das Wort «Mörder-Monster» gesprüht.

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