Neue Zürcher Zeitung

Schlechte Zeiten für Wildschweine

In Spanien soll die Jagd mit Pferd und Lanze legalisiert werden

Mit der Legalisierung der archaischen Wildschweinjagd will Spanien den internationalen Jagdtourismus ankurbeln. Auch das Umweltministerium ist interessiert. Tierschützer sprechen von langen Todeskämpfen.

Foto: Club Internacional de Lanceo

Erschienen in der NZZ, 16.7.2012

In Spanien soll eine alte Jagdmethode wiederbelebt werden. Die Wildschweinjagd zu Pferd und mit Lanze, der europäisch Adelige und Kolonialbeamte bis Anfang des 20. Jahrhunderts in Spanien, Grossbritannien, Nordafrika oder Indien frönten, soll ein Revival erleben. Derzeit ist sie wegen Tierschutzes offiziell verboten, wenngleich sie vereinzelt praktiziert wird, unter anderem im Nationalpark Doñana.

Der spanische Club Internacional de Lanceo, der internationale Lanzenjagdklub, hat sich jetzt mit der Regionalregierung von Kastilien-La Mancha (südliches Zentralspanien) darauf geeinigt, den Sport zu legalisieren und so den internationalen Jagdtourismus zu fördern. Der Verein bietet die berittene Jagd auf Schweine seit einiger Zeit auf einer 50 Hektaren grossen Finca in der Nähe von Toledo an. Die Jäger zahlen pro Team mindestens 5000 Euro und erlegen pro Jahr 30 bis 50Wildschweine: Vier Reiter verfolgen ein Tier auf einem offenen Gelände zu Pferd und mit einer drei Meter langen Lanze in der Hand. Der Reiter, der das Schwein als erster angestochen hat, bekommt die Trophäe. Das Tier wird dabei selten sofort getötet, sondern läuft mit einer oder mehreren Stichverletzungen bis zur Erschöpfung weiter. Tierschützer sprechen von bis zu 30-minütigen Todeskämpfen.

Der spanische Jagdverband hält das Argument der Tierquälerei für «interpretierbar». Es gebe viele legale Jagdmethoden, bei denen ein langsamer Tod und dabei das Leid der Tiere nicht auszuschliessen seien, sagte ein Verbandssprecher der Tageszeitung «El País». Er schätzt, dass die Methode in rund 20 zentralspanischen Ländereien eingeführt werden könnte. Die Wildschweinjagd zu Pferd ist nur auf flachem, unbewaldetem Gelände möglich.

Nicht nur Jäger zeigen nun Interesse. Angesichts der schweren Krise im Land findet auch das Umweltministerium etwas Positives an dem blutigen, teuren Sport: Würde er sich verbreiten, könnte die Nationalparkverwaltung bei der alljährlichen Versteigerung der Jagdrechte mehr Geld einnehmen. Diese Einkünfte ersetzten schon jetzt zum Teil die drastisch reduzierten staatlichen Subventionen für den Erhalt der insgesamt 14 National- und mehr als 120 Naturparks. Bis anhin kontrollierten den Bestand der Hirsche, Rehe und Wildschweine vor allem Angestellte, mit einem gezielten Blattschuss.

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