Reger Greifvogelverkehr über Mallorca

Der Standard, 12.12.2014 · Insgesamt 14 Greifvogelarten leben wieder auf Mallorca. Manche haben sich mit dem Tourismus arrangiert, andere werden wieder eingeführt – eine brachte der Sturm.

Junger Habichtsadler über Mallorca.

Dílar ist seit Ende November Mallorquinerin. Der weibliche Habichtsadler ist gut ein Jahr alt und hat schon einiges hinter sich. In seiner Heimat Andalusien bekam der Vogel auf einem Strommast einen elektrischen Schlag und war danach flugunfähig. Dílar wurde gerettet, in einer Madrider Aufzuchtstation rehabilitiert – eine Zehe musste amputiert werden – und danach wieder auf das Leben in Freiheit vorbereitet. Diese Freiheit wartete auf Mallorca. Die Insel ist eine von drei Auswilderungsregionen des Projekts “Life Bonelli” (Habichtsadler heißen auf Spanisch Aguila Bonelli). In Spanien leben 65 Prozent aller europäischen Habichtsadler. Deren Lebensräume sollen nun ausgeweitet werden. Mallorca ist dabei einzigartig. Nur hier können erwachsene Tiere wie Dílar mit der Aussicht darauf freigelassen werden, dass sie auch bleiben.

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Kanaren: Suche nach Öl begann trotz Protests

Schemabild der Gebiete, in denen der Mineralölkonzern Repsol nach Erdöl- und Erdgas bohren will. Quelle: www.canariasdicenoarepsol.com
Schemabild der Gebiete, in denen der Mineralölkonzern Repsol nach Erdöl- und Erdgas bohren will. Quelle: www.canariasdicenoarepsol.com

Der Standard, 19.11.2014 · Viele der zwei Millionen Bewohner der Kanarischen Inseln kennen sie, die Koordinaten 28° 33′ 34” N; 13° 11′ 36” W. Sie bezeichnen den Ort im Meer, an dem der spanische Erdölkonzern Repsol seit Mittwoch Probebohrungen durchführt. Insgesamt soll es acht davon geben. Rund 50 Kilometer vor Lanzarote und Fuerteventura werden Erdöl- und Erdgasvorkommen vermutet.

Die Bevölkerung sowie die Regional- und Inselregierungen der Kanaren lehnen die Prospektionen mehrheitlich ab. Sie befürchten Umweltschäden und Gefahren für den Tourismus.

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Geistig entspannt: Menorca im Miró-Modus

Der Standard, 5.10.2014  · Seine Nachbarn hat Joan Miró zu Lebzeiten nie besucht. Mit 40 wilden Spätwerken kommt der Wahl-Mallorquiner nun zum ersten Mal nach Menorca.

“Personnages” (“Figuren”) ist eines von 40 Spätwerken Mirós, die derzeit auf Menorca zu sehen sind. Foto: successió miró, 2014

Die Insel hätte Joan Miró gefallen, mit ihren kugeligen Büschen, die noch nie jemand gestutzt hat, den wilden Olivenbäumen und dem weiten Himmel, der rund um Menorca das Meer berührt. In den beiden Städtchen Ciutadella und Maó geht es ruhig zu, das grüne Land dazwischen ist durchzogen von Wanderwegen, Feldmauern und weiß getünchten Häusern. Von Mallorca aus ist es nur ein Katzensprung, eine halbe Stunde im Flieger oder zwei Stunden im Schiff. Cituadella liegt am westlichsten Zipfel Menorcas und ist somit der großen Nachbarinsel am nächsten. Und dennoch hat es Miró in den 27 Jahren, die er auf Mallorca lebte, nie geschafft, Menorca zu besuchen.

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Prähistorische Pyramidenspiele

Menorca weiß wenig über seine Megalithen. Der Status als Welterbe soll bald Aufklärung und mehr Touristen bringen

www.españaescultura.es

Der Standard, 14.12.2013 · Menorca klingt nach Ewigkeit, besonders wenn man im Türstock eines uralten Steinhauses steht. Draußen wiegen sich die Gräser im lauen Winterwind, und in den wilden Olivenbäumen zwitschern die Drosseln. Tritt man über die steinerne Schwelle, fällt der Blick auf den Boden. In einer Ecke sieht man Rußspuren eines lange nicht mehr rauchenden Feuers. Es ist wohl vor 3000 Jahren erkaltet.

Wir stehen im Tempel von Torre d’en Galmés, einer steinzeitlichen Siedlung im Süden Menorcas. Sie ist eine der besterhaltenen und größten der Insel. Bis zu 40 Großfamilien haben hier über mehrere Jahrhunderte gelebt. Sie waren vermutlich einer der einflussreichsten Clans ihrer Zeit. Metallene Püppchen, Ziegenknochen und leere Weinamphoren erzählen von Ritualen und Feiern. In der Mitte der Tempelruine, die heute kein Dach mehr hat, steht eine jener Taules, die Menorca einzigartig machen. Ein riesiger T-förmiger Megalithenbau aus einem vertikalen und einem quer darauf gelegten Stein. Tonnenschwer, meterhoch. Aber warum steht das T da? War es die Dachstütze oder war es ein spirituelles Symbol? Niemand weiß es.

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Burgos: Ticket zum Paläolithikum

In Nordspanien soll die Altsteinzeit erlebbar werden – durch die Ansiedelung urtümlicher Grasfresser

Rückzüchtungen des ausgestorbenen Konik-Pferdes auf einer Weide bei Burgos

Der Standard, 19.8.2013 · Die Legende vom Wilden Westen wollen drei Spanier neu beleben. Nicht in den USA, sondern in Europa. Dafür haben sie rund um den dritten westlichen Breitengrad Przewalski- und Konik-Pferde eingeführt. Seit ein paar Wochen grasen zwei kleine Herden auf einer nordspanischen Hochebene, bald sollen Auerochsen und Wisents, die europäischen Bisons, dazukommen. Das Projekt nennt sich “Lebendige Altsteinzeit”. “Wir wollen jene Fauna wiederherstellen, die der Atapuerca-Mensch gejagt hat”, sagt Umweltschützer Benigno Varillas, “denn die Besucher sollen die Tiere nicht nur als Fossilien, sondern auch in freier Wildbahn sehen.”

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Die Nostalgie einer Stadt

Vom Story Centre bis zur Sardinendose – Lissabon holt überall Geschichten heraus und packt noch ein wenig Retro hinein

Der Standard, Wien. 5.3.2013 · Lissabon ist Westeuropas letzter Rückzugsort für Nostalgiker. Portugals Hauptstadt hat sich in den vergangenen Jahrzehnten kaum verändert, zumindest nicht in den zentralen Stadtteilen Chiado, Bairro Alto, Baixa oder Alfama. Zum Glück. Kaum Spuren von Globalisierung, nicht überall die gleichen Geschäfte und gleichen Outfits der Passanten. Kaum betritt man das Kopfsteinpflaster, spürt man den Puls der Stadt: Er schlägt langsam. Lissabon ist aber kein Dornröschen, das am Rande Europas schläft und darauf wartet, von Touristen wachgeküsst zu werden. Die Stadt tut nur so, als schliefe sie. Dabei lässt sie sich bewundern, von vier Millionen Besuchern jährlich.

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Mit Wasserkur zur Rossnatur

Als Thermenregion ist das spanische Galicien bei uns kaum bekannt. Die Gründungslegende klingt vielversprechend.

Kuren im Grünen: das Thermalhotel Acuña in Caldas de Reis. Foto: Tom Gebhardt

Der Standard, 1.12.2012 · Es war das Pferd eines römischen Soldaten, das Galiciens Heilquellen zu lokaler Berühmtheit verhalf. Der Legende nach hat sich das Tier beim Bad in irgendeiner warmen Wasserlacke einige Kilometer südlich von Santiago de Compostela vollkommen von den Verletzungen einer Schlacht erholt. Seitdem tun es ihm die Menschen gleich: Gegen die unterschiedlichsten Wehwehchen nutzen sie eine der 300 Heilquellen, die hier im Nordwesten Spaniens mit 15 bis 72 Grad Celsius durch den Granitboden sprudeln. 21 dieser Quellen werden – heute noch oder wieder – kommerziell als Thermen genutzt, in denen die traditionellen Kuranwendungen neben modernen Wellness-Behandlungen bestehen können.

Die Geschichte vom Pferd erzählt uns Chus Piñeiro in weißem Kittel und weißen Sandalen. Sie ist die Leiterin der denkmalgeschützten Badeanstalt Balneario Davila. Wir sind in der Kurstadt Caldas de Reis und stehen im Halbsouterrain, direkt über besagter Quelle. Bald spüren wir wohlige Wärme in den Füßen und nehmen einen leichten Geruch nach faulen Eiern wahr. Mit 42 Grad Celsius dringt das schwefelhaltige Heilwasser unter dem Marmorboden aus dem Erdreich und speist das gesamte Wassersystem der Therme. Seit 1780 strömen Menschen hierher, um Sitzbäder zu nehmen, um Nase und Rachen zu duschen, zum Inhalieren oder einfach nur zum Entspannen. Das Wasser von Caldas de Reis enthält auch Lithium, Silizium und Natron. Wird es mindestens eine Woche lang täglich angewendet, lindert es offensichtlich Schuppenflechte und Neurodermitis, Gelenksbeschwerden und Erkrankungen der Atemwege. Außerdem soll es bei psychologisch-neurologischen Leiden und gegen die Zivilisationskrankheit Stress wirken. Das bestätigen Generationen von Galiciern, aber zunehmend auch Reisende von auswärts, die die wasserreiche Region längst nicht mehr nur auf dem Jakobsweg entdecken wollen.

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Das Silbertässchen glänzt wieder

1812 kam in Cádiz Spaniens erste demokratische Konstitution zur Welt. 2012 erzählt die Stadt ihren Besuchern davon

Der Standard, 13.10.2012 · 200 Jahre der glanzlosen Randexistenz, unten, ganz unten am Südzipfel Europas sind genug. Dort liegt, so sagt man, die älteste Stadt des alten Kontinents. Dabei spielte Cádiz früher eine wichtige Rolle. Phönizier und Römer bevölkerten sie wegen ihrer strategischen Lage zwischen Atlantik und Mittelmeer. Später erlangte Cádiz als Handelshafen mit den Kolonien in Lateinamerika Reichtum. Wegen ihrer vielen Silber- und Goldelemente an Fassaden und auf Dächern wird die Stadt auch Silbertässchen genannt.

Zuletzt war sie dann im Jahr 1812 Zentrum des Geschehens: Spanische Parlamentarier wollten es Frankreich und den USA nachtun und versammelten sich in der einzigen freien Stadt des Landes, um eine demokratische Verfassung zu erarbeiten: Napoleon hatte Madrid besetzt, der Unabhängigkeitskrieg tobte, der spanische König war im französischen Exil festgehalten. Nur Cádiz war frei, denn die Stadt liegt auf einer Halbinsel und ist leicht zu verteidigen. Die Männer unterzeichneten die Verfassung schließlich am 19. März 1812, dem Tag des heiligen Josef. Bis heute wird Spaniens erster Demokratie-Entwurf deshalb „La Pepa“ genannt. Bis Jahresende gedenkt das Städtchen noch dieses Ereignisses.

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Es brodelt auf den Kanaren

Ein Jahr nach dem Beben vor der Küste El Hierros brodelt dort ein neuer Vulkantourismus auf kleiner Flamme

Der Standard, 24.9.2012 · Am 12. Oktober 2011 war es mit der Ruhe im Mar de la Calma vorbei. Wochenlang stieg Rauch in den Himmel, Steine flogen durch die Luft, das “Meer der Stille” brodelte. Südlich der Kanareninsel El Hierro entstand ein Unterwasservulkan. Bilder des gewaltigen Ereignisses gingen um die Welt: Sie zeigten gelbgrüne Schwefelteppiche und auf dem Wasser treibende, rauchende Lavabrocken.

Zwar hat es der neue Vulkan namens 1803-02, den die Insulaner nur La Hija, die Tochter, nennen, nicht geschafft, aus dem Wasser zu wachsen. Der Kegel hat sich vom 300 Meter tiefen Grund bis rund 85 Meter unter der Wasseroberfläche aufgebaut. Man sieht also nichts, wenn man in dem Küstenort La Restinga den Blick übers Meer schweifen lässt. Doch die Insel an sich ist schon ein vulkanologischer Erlebnispark.

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