Formentera – Ihre Insel

Die Balearen-Insel Formentera wird Touristen als letztes Paradies verkauft. Für Santiago und Miquel Costa, die seit 60 Jahren auf ihr leben, ist sie trotzdem eines.

Formentera: Ihre Insel
Miquel (li.) und Santiago Costa. Die Brüder sind auf Formentera geboren.

 

Zeit online, 23.7.2014 ·  Santiago Costa ist etwas knorrig, nicht besonders freundlich, eher geduldig. Geduldig mit Besuchern, die das andere Formentera entdecken wollen. Ein guter Ausgangsort dafür ist seine weinumrankte Veranda. Hier sitzt Costa im Schatten vor seinem Haus auf dem Hochplateau La Mola. Unten muss das Meer an die Felsen schlagen, aber hier oben hört man nichts, nur das Summen der Insekten. Es riecht nach trockener Erde und wildem Thymian. Salz und Feuchtigkeit legen sich auf Haut und Haare. Sie erinnern uns daran, dass wir auf einer Mittelmeerinsel sind.

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Quer durch die Reispfanne

Wer den Paella-Zutaten beim Wachsen zusehen will, kann das im Umland von Valencia tun. Seit tausend Jahren werden dort Gemüse und Reis angebaut.

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Zeit online, 13.4.2014 · Ein Fliesenbild, darauf Frauen in Brokatkleidern mit Flechtfrisuren, Männer in Dreiviertelhosen und kurzen Westen. Ihre Gesichter: stolz und zufrieden. Auf dem Holztisch stehen braune Keramikteller neben einem gläsernen Krug mit Sangría, im Hintergrund ein mit Früchten behängter Orangenbaum. Die Szene zeigt eine wohlhabende Familie aus Valencia. Ihren Sonntag verbringt sie auf dem Land, genauer gesagt: ihrem Stück Land. Ein Haus mit spitzem Satteldach ist zu sehen, das typische Haus der Bauern, die unter der Woche das erwirtschafteten, was am Sonntag die Eigentümer zufrieden stimmte. Das Bild prangt im Restaurant Ca Pepico von der hellen Wand des Speisesaals. In Meliana, einem Dorf bei Valencia, wo sich solche Szenen noch vor ein paar Jahrzehnten abspielten. Meliana liegt in der Horta de València, dem grünen Umland der Stadt, im fruchtbaren Mündungsdelta des Flusses Turia an der Mittelmeerküste. Viele Städte hier sind von Feldern umgeben, auf denen Gemüsebauern das pflanzen, was die Städter essen. Aber nur wenige haben eine tausendjährige Tradition wie Valencia. Der Frucht- und Gemüsehandel blühte bis ins 20. Jahrhundert hinein. Er brachte der Stadt Wohlstand. Die hiesigen Orangen eroberten Mitteleuropa, Valencia wird bis heute mit Süden und Sonne assoziiert.

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Madrid macht sich frei von Depressionen

Blick von der Dachterrasse des Círculo de Bellas Artes

Sechs Jahre lang lief für Spaniens Hauptstadt alles schief. Doch jetzt erlebt die Stadt neues Selbstbewusstsein und eine Lebendigkeit, die nicht von oben verordnet ist.

zeit online 23.3.2014 · Madrid wird überleben, trotz allem. Trotz all des Stickstoffdioxids, all der Schulden, all der Arbeitslosen, all der geplatzten Träume. Die Propheten heißen Carlos Lahoz und Manuel Leira. Sie haben vor rund einem Jahr den Madrid Think Tank gegründet. Darin entwickeln sie gemeinsam mit anderen Ideen, um Spaniens Hauptstadt am Leben zu erhalten: Madrid, Metropole auf der Hochebene, wo Luft und Straßen schmutzig sind, wo niemand mehr investieren will, wo Touristen wegbleiben und Schulden in den Himmel wachsen. Uff. “Als Bürger fühlen wir uns verpflichtet”, sagen die Architekten, “der Stadt ihr Selbstbewusstsein zurückzugeben”.

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Unter dicken Decken

Die Serra da Estrela ist Portugals höchster Gebirgszug. Früher wurden dort Tuberkulosekranke geheilt. Heute kann man in Schafwolldecken gehüllt dem Schnee beim Fallen zusehen.

Zeit online, 28.2.2014 · Wenn in der Serra da Estrela die Füchse und die Eichhörnchen aus dem Wald verschwinden, dann ziehen die Menschen die Wolldecken hervor. Die Tiere mummeln sich im Nest zusammen oder ziehen in wärmere Tiefen, die Menschen schützen sich mit Lodenumhängen vor Schnee und Regen, legen sich nachts Decken über die Laken und tagsüber auf die Knie, wenn sie vor dem Fernseher sitzen. Die Winter sind lang. Auf den Gipfeln liegt Schnee bis Mai, in den Tälern regnet es oft tagelang. Frieren muss in der Serra da Estrela dennoch niemand, auch wenn im Winter immer wieder alles vereist.

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Ceuta: Hafen zwischen erster und dritter Welt

Die spanische Stadt Ceuta ist ein koloniales Relikt an Marokkos nördlichstem Zipfel. Christen und Muslime leben hier. Weg wollen nur die Flüchtlinge aus dem Süden.

Foto: Stadt Ceuta

Zeit online, 27.1.2014 · Überall ist Licht, selbst im Januar. Gleißend, wie frisch gebadet, liegt Ceuta da. Wolken legen abwechselnd Kirchtürme und Minarette in Schatten, ziehen weiter. Die Passanten nehmen an diesem Morgen das Schauspiel kaum wahr. Sie sind mit Sonnenbrille und Schirm aus dem Haus gegangen. Für sie sind wechselhafte Licht- und Wetterstimmungen normal. Die Stadt ist umgeben von Meer: Hier die unruhige Meerenge von Gibraltar, in der Atlantik und Mittelmeer ineinander fließen. Dort das weite, beschauliche Mittelmeer der westlichen Küste Nordafrikas. Dazwischen liegt, auf einer Halbinsel am nördlichsten Zipfel Marokkos, ein dicht bebautes, lebendiges Stück Europa in Afrika.

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Sterne gucken mit Jaime: Jetzt buchen?

Mitten in Spaniens Wirschaftskrise bringt der Sternekoch Ferran Adrià mit einer Website Mikrounternehmer und Individualtouristen zusammen.

Zeit online, 6.12.2013 ·  Ein paar Nachrichten auf dem Handy und die zwei Codewörter “grüner Anorak” und “blaues Familienauto” reichen, um an einem Nachmittag im Dezember Mallorcas dunkle Seite kennenzulernen. Der Weg verläuft 30 Kilometer entlang der Steilküste und dann hinunter zu einer der Buchten, wo früher Schmuggler ihre Ware löschten. Ich (grüner Anorak) fahre mit Jaime (blaues Familienauto) in der Dämmerung durch die Berglandschaft. Wir kennen uns nicht. In Palma herrscht Berufsverkehr, hier ist kein Auto weit und breit. Das Webportal Trip4Real hat uns zusammengebracht mit dem Versprechen, ein “echtes Erlebnis” zu bieten. In unserem Fall sind das Fotos bei Nacht an der Westküste, einem der wenigen Orte auf Mallorca, an dem die Sterne noch ungetrübt leuchten.

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Es werde dunkel!

Fuerteventura will Starlight Destination werden. Die kanarische Insel hofft auf ein Unesco-Zertifikat, das ihr die Hintertür zum nachhaltigen Tourismus öffnet.

Die Zeit online 1.8.2013 · Wenn Asunción Alonso morgens um halb fünf zur Arbeit geht, blickt sie manchmal nach oben. “So schön wie hier ist der Himmel nirgendwo”, sagt die 45-jährige Käserin aus Villaverde. Das weite Firmament, die klare Luft und der dunkle Himmel sind es, die Alonso seit ihrer Kindheit mit ihrer Heimat verbindet.

Fuerteventura, die flachste und älteste Insel der Kanaren, ist einer der weltbesten Orte zum Sternegucken. Das findet nicht nur Alonso, sondern auch die Internationale Astronomische Union (IAU), die Starlight Finder Foundation der Unesco und etwa 30 Hobby-Astronomen auf der Insel. Sie wollen Fuerteventura zum Sternenhimmel-Reservat machen. Mit dieser Auszeichnung könnte die Insel Starlight Destination werden, eine neue Spielart des Naturtourismus.

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Ich werde Dich Südsee nennen

Vasco Núñez de Balboa hat vor 500 Jahren als erster Europäer den Pazifik gesehen. Sein Geburtsort Jerez de los Caballeros versucht nun, das Beste daraus zu machen.

Keramik in der Kirche San Bartolomé

Die Zeit online · 5.6.2013 Einige Missgeschicke und ein Glücksfall brachten Vasco Núñez de Balboa (1475-1517) in kurzer Zeit auf das Podest der Glorreichen. Grob gerechnet brauchte er zwölf Jahre, um vom verarmten Provinzadeligen zum Entdecker eines Weltmeers zu werden. Genau gerechnet legte er den Weg zum Ruhm in gut drei Wochen zurück. Er gab einem Meer seinen Namen, Mar del Sur. Sein Leben ist in den Chroniken der Neuen Welt aus dem 16. Jahrhundert festgehalten, bei Bartolomé de las Casas oder Gonzalo Fernández de Oviedo. Sie belegen: Balboa kam 1501 aus Jérez de los Caballeros, sah 1513 als erster Europäer den Pazifik und siegte damit über ein Schicksal, das ihn zum Leben als Schildknappe in der spanischen Provinz verurteilt hätte.

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Die gute alte Zeit im Korb

Saudade shoppen: Catarina Portas verkauft in ihren Läden alte Markenprodukte. Schokolade und Seifen erzählen bei A vida portuguesa von der Geschichte Portugals.

Die Zeit online, 31.3.2013 · Lissabon ist eine Stadt mit ruhigem Puls. Wer A vida portuguesa, den Laden von Catarina Portas im Geschäftsviertel Chiado, betritt, der spürt das. Angestellte mit steifen Leinenschürzen, knarzende Dielen, verwirrende Düfte. Metallpolitur, Vanillezucker, Veilchenseifen. Dosen, Tütchen, Päckchen in gold, grün, rot, gelb und violett. Das Retrogeschäft gibt es seit sieben Jahren. Es ist groß – ganz Portugal findet hier Platz.

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