Die Russen kommen – und verändern die Insel

Immer mehr Russen machen Urlaub auf Mallorca. Einige von ihnen kaufen sich Ferienhäuser oder bleiben gleich ganz auf der Insel. Die Einheimischen stellen sich mit Extra-Angeboten auf die Gäste ein

Foto:Thomas Gebhardt

dpa, Palma de Mallorca – Wer Russisch kann, findet auf Mallorca sofort einen Job. Das hoffen zumindest viele Kellner, Verkäuferinnen und Rezeptionisten, die seit dem Ende der Urlaubssaison auf der spanischen Ferieninsel arbeitslos sind. Sie nutzen den ruhigen Winter, um sich weiter zu bilden und Russisch zu lernen.

Die Nachfrage nach Russisch-Kursen habe sich vervielfacht, heißt es in der staatlichen Sprachenschule in der Inselhauptstadt Palma de Mallorca, die derzeit elf Kurse anbietet. Elena Nosowa vom russischen Kulturverein Libuwa unterrichtet Anfänger bis zum Saisonstart im Frühjahr kostenlos. Das Alphabet und die Aussprache, die vielen Spaniern schwer falle, seien die ersten Hürden, sagt sie.

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Buchtenwandern in der Tramuntana

Foto: Tom Gebhardt

Banyalbufar (dpa) 17.9.2013 · Es riecht nach Kiefern und trockenen Gräsern, der Blick streift über das weite Blau des Mittelmeers. Während der Wind den Schweiß auf der Stirn trocknet, geht es das letzte Stück des Alten Postweges hinab. Die schmale Asphaltstraße ist hier sehr steil, fast scheint sie im blauen Nichts zu münden. Esel knabbern am Wegrand, unbeirrt von dem atemberaubenden Meerblick, Tomaten und Trauben reifen im Licht der untergehenden Sonne. Wer die letzten Meter hinter sich hat, taucht in der steinigen, geschützten Bucht von Banyalbufar ins Wasser.

Banyalbufar liegt an Mallorcas steiler Westküste. Die Landstraße Ma-10 durchzieht den gesamten, 90 Kilometer langen Tramuntana-Gebirgsrücken von Andratx bis Pollença. Die ersten Kilometer im Südwesten führen durch die verkohlten Reste des verheerenden Waldbrandes von Mitte August. Mehr als 2000 Hektar Fläche wurden damals zerstört. Fast tröstlich ist da der Blick auf das Meer, das auf der linken Seite beständig ruht.

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Erfolg für Mallorcas Umweltschützer

Hotelbau an Naturstrand gestoppt

Blick auf Mallorcas Südküste bei Campos
Blick auf Mallorcas Südküste bei Campos

Palma de Mallorca (dpa) 19.7.2013  – Ein umstrittener Hotelkomplex darf vorerst nicht gebaut werden, illegale Appartementgebäude mussten abgerissen werden: Mallorcas Umweltschützer feiern im Kampf um den Erhalt der Naturlandschaft im Süden der Insel einen doppelten Erfolg. Das Oberlandesgericht der Balearen stoppte den geplanten Bau eines Fünf-Sterne-Hotels mit 1150 Betten und Golfplatz in der Nähe des Naturstrandes Es Trenc. Wenige Wochen zuvor waren in dieser Gegend auf Anordnung eines Gerichts 13 Rohbauruinen einer Appartementanlage abgerissen worden.

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Im Schatten des Massentourismus: Suppenküchen auf Mallorca

FOTO: Tom Gebhardt
FOTO: Tom Gebhardt

Von Brigitte Kramer, dpa Palma de Mallorca (dpa) – Mallorca im Mai: Das Wasser in der Bucht von Palma ist noch zu kalt zum Baden, doch an der Strandbar «Ballermann» wurde schon mal die Saison eingeläutet, mit Jürgen Drews und Mickie Krause. Jetzt heißt es wieder Party bis zum Herbst. 13 Kilometer westlich, in Palmas Altstadt, geht es in diesen Tagen weniger ausgelassen zu: In der Suppenküche der Hilfsorganisation Zaqueo essen täglich rund 250 Menschen.

· Jeden Tag zwischen 17.00 und 19.00 Uhr warten vor der kleinen Tür Hungrige auf ein Abendessen. Der enge Raum füllt sich mit Menschen, die zu wenig Geld haben, um sich selbst zu versorgen. In dem ehemaligen Gemischtwarenladen riecht es nach Schweiß und warmem Essen. Auf der Karte steht Bohneneintopf mit Schinken und Brokkoli. Dazu gibt es kalte Gemüsepizza oder belegte Brote, als Nachtisch Gebäck, Obsttorte und warmen Kakao sowie Limonade und Wasser, Äpfel und Orangen.

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Mallorcas Umweltschützer feiern Erfolge – und ein Jubiläum

Mallorcas Umweltschutzgruppe GOB feiert 40-jähriges Bestehen. Ihr langjähriger Leiter, Miguel Ángel March, erinnert sich an den Kampf gegen Raubbau und Zersiedelung auf der Ferieninsel. «Ohne uns sähe Mallorca jetzt anders aus», sagt er.

Miguel Angel March, führte 20 Jahre lang den Kampf gegen Raubbau und Zersiedelung auf Mallorca. Foto: Tom Gebhardt
Miguel Angel March, führte 20 Jahre lang den Kampf gegen Raubbau und Zersiedelung auf Mallorca. Foto: Tom Gebhardt

Palma de Mallorca (dpa) – Miguel Ángel March ist heute wieder ein Durchschnittsbürger auf der Ferieninsel Mallorca. Der 54-Jährige ist Lehrer für Geschichte und Geografie an einem Gymnasium in Palma de Mallorca. Bis 2007 war March eine herausragende Figur des öffentlichen Lebens. 20 Jahre lang führte er als Leiter der Umweltschutzgruppe  GOB  den Kampf gegen Raubbau und Zersiedelung.

Seit ihrer Gründung im Jahr 1973 steht der Zusammenschluss für den Schutz von Mallorcas natürlichem Reichtum. Massentourismus, Bevölkerungszuwachs und Ansturm von Neubürgern aus dem Ausland: Mallorcas Erfolg als Urlaubsziel und sonniger Wohnsitz schien ins Unendliche zu wachsen. Als ein Gegenpol bildete sich die GOB, die erste und bis heute wichtigste Umweltschutzgruppe auf der Insel. Den größten Erfolg sieht March in einem generellen Bewusstseinswandel der Bevölkerung. «Anfang der 80er Jahre waren Demos mit 10 000 Menschen ein Bombenerfolg, heute mobilisieren wir bis zu 40 000», erinnert sich der frühere GOB-Chef.

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Langsamer Tod eines Symbols

Käfer befallen Mallorcas Palmen

Eine gesunde neben einer befallenen Dattelpalme auf Mallorca

Palma de Mallorca (dpa) 13.12.2012 – Seit sechs Jahren haben die Mallorquiner einen gemeinsamen Feind: Er ist etwa drei Zentimeter groß, heißt Palmrüssler (Rhynchophorus ferrugineus) und richtet an den Palmen auf der spanischen Ferieninsel große Schäden an. Besonders die Kanarischen Dattelpalmen (Phoenix canariensis) sind befallen. Nach Schätzungen des Umweltamtes der Balearen sind auf der Insel durch den Käfer rund 95 Prozent dieser beliebten Zierbäume mit den langen und schlanken Stämmen krank.

Diese Palmen wachsen in vielen Patios und auf Plazas, stehen in langen Reihen an Palmas Strandpromenade oder schmücken den Boulevard vor der Alten Fischhandelsbörse, wo im Advent Lichterketten die Nacht erhellen. Die Araber hatten die ersten Exemplare der Dattelpalme vor mehr als 1000 Jahren auf die Insel gebracht. Für sie waren die Bäume ein Zeichen von Wohlstand und Gastfreundschaft. Noch heute sind die eleganten Gewächse der ganze Stolz der Insulaner und das Sinnbild der Ferieninsel.

Im Jahr 2006 wurde der Schädling, der eigentlich in Asien beheimatet ist, in kranken Palmen aus Marokko nach Spanien eingeschleppt. Mittlerweile sind auf Mallorca alle Palmenarten betroffen, außer der einheimischen, niedrig wachsenden Zwergpalme (Chamaerops humilis). Jedes Jahr kommen rund 300 neue Fälle dazu. Der Stadtrat von Palma ist sich uneins darüber, wie die Wahrzeichen und Namensgeber der Stadt am besten zu schützen sind.

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Auf Mallorca wächst Unzufriedenheit mit Madrider Regierung

Katalanen und Basken wollen zu Spanien auf Distanz gehen. Auch auf Mallorca und den anderen Inseln der Balearen wächst der Unmut über Madrid. Vom Mutterland lossagen wollen sich die Bewohner aber nicht.

Palma de Mallorca (dpa), 30.10.2012 – Katalonien will von Spanien unabhängig werden und dazu ein Referendum abhalten. Im Baskenland triumphierten separatistische Gruppen bei der Regionalwahl am 21. Oktober. Auch auf der Ferieninsel Mallorca und den Nachbarinseln Menorca, Ibiza und Formentera macht sich in der Bevölkerung Unzufriedenheit mit der Regierung in Madrid breit. Aber von Spanien lossagen will sich nur eine kleine Minderheit der Bewohner.

Auf der Inselgruppe der Balearen, die Katalonien kulturell und geografisch nahesteht, wirken seit langem separatistische Kräfte. Sie argumentieren ähnlich wie die Katalanen und wollen den Archipel zu einer «balearischen Nation» machen. Politische Beobachter halten es jedoch für unwahrscheinlich, dass der separatistische Funken auf die Ferieninseln überspringt.

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Mallorca will europäischen Abfall verbrennen

In der Verbrennungsanlage nördlich von Palma soll Müll aus Europa entsorgt werden.
Foto: Tom Gebhardt

Mallorcas Inselregierung will jährlich bis zu 100.000 Tonnen Müll importieren und verbrennen lassen. Anwohner sind entsetzt über das Geschäft mit dem Abfall, und Hoteliers bangen um ihre Gäste.

dpa, 27.9.2012 · Zum Ende der Hauptsaison versetzt ein Müllprojekt die Bewohner der spanischen Ferieninsel in Aufruhr. Die Inselregierung will die Müllverbrennungsanlage Son Reus besser auslasten und dazu Abfälle aus anderen europäischen Ländern importieren.

Derzeit ist die vor kurzem erweiterte Anlage am nördlichen Stadtrand von Palma de Mallorca nicht einmal in den Sommermonaten ausgelastet, wenn Hunderttausende Urlauber ihre Ferien auf der Insel verbringen. Den Rest des Jahres ist sie nicht rentabel. Die Dezernentin für Umwelt, Catalina Soler, kündigte deshalb kürzlich an, sie wolle aus europäischen Ländern Müll heranschaffen und diesen auf der Insel verbrennen lassen. Die Verantwortlichen wollen damit eine Erhöhung der Müllgebühren vermeiden und rund 350 Arbeitsplätze schaffen. “Wir importieren keine triefenden und stinkenden Müllbeutel, sondern sauberen, geschredderten Brennstoff mit hohem Energiewert”, versicherte Soler auf einer Pressekonferenz in Palma. Zur Veranschaulichung hatte die Politikerin durchsichtige Beutel mit zerkleinertem Plastikmüll mitgebracht. Dennoch hagelt es seither Proteste.

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