Balearische Sturmtaucher fressen sich wieder satt

Die Insel Dragonera gehört zu einem der 39 neuen Schutzgebiete, die Spanien am Küstenraum eingerichtet hat. Damit kommen die Iberer den Anforderungen der EU-Vogelschutzrichtlinie nach. Probleme könnte es aber mit den schon genehmigten Erdölbohrungen in den Schutzgebieten geben.

Deutschlandradio, 24.12.2014 · Es ist vier Uhr morgens. Der spanisch-schottische Biologe Miguel McMinnist auf dem Weg zur Steilküste. Seit 20 Jahren erforscht er auf der Insel Dragonera, das Verhalten der Balearischen Sturmtaucher. McMinn hat seine Stirnlampe auf Rot gestellt. Er will die Vögel nicht erschrecken. In der Dunkelheit der Neumondnacht fühlen sie sich sicher. Jetzt kommen sie mit vollem Bauch vom Meer zurück, um ihre Küken zu füttern.

Continue reading

Reger Greifvogelverkehr über Mallorca

Der Standard, 12.12.2014 · Insgesamt 14 Greifvogelarten leben wieder auf Mallorca. Manche haben sich mit dem Tourismus arrangiert, andere werden wieder eingeführt – eine brachte der Sturm.

Junger Habichtsadler über Mallorca.

Dílar ist seit Ende November Mallorquinerin. Der weibliche Habichtsadler ist gut ein Jahr alt und hat schon einiges hinter sich. In seiner Heimat Andalusien bekam der Vogel auf einem Strommast einen elektrischen Schlag und war danach flugunfähig. Dílar wurde gerettet, in einer Madrider Aufzuchtstation rehabilitiert – eine Zehe musste amputiert werden – und danach wieder auf das Leben in Freiheit vorbereitet. Diese Freiheit wartete auf Mallorca. Die Insel ist eine von drei Auswilderungsregionen des Projekts “Life Bonelli” (Habichtsadler heißen auf Spanisch Aguila Bonelli). In Spanien leben 65 Prozent aller europäischen Habichtsadler. Deren Lebensräume sollen nun ausgeweitet werden. Mallorca ist dabei einzigartig. Nur hier können erwachsene Tiere wie Dílar mit der Aussicht darauf freigelassen werden, dass sie auch bleiben.

Continue reading

«Dieses Land kann man nicht ernst nehmen!»

NZZ, 22.11.2014 · Sein Werk wird in über zwanzig Sprachen übersetzt. Im Ausland, sagt Javier Cercas im Interview, verstehe man seine Bücher vielleicht sogar besser als in Spanien, seiner Heimat.

Foto: privat

In Ihrem jüngsten Roman, «Outlaws», schildern Sie das Leben Jugendlicher in den ersten Jahren der spanischen Demokratie. Der Held, ein 16-jähriger Mittelschichtssohn, freundet sich mit gleichaltrigen Kleinkriminellen aus der Unterschicht an, sogenannten Quinquis, die er Jahre später wieder trifft. Was ist das für eine Gesellschaftsgruppe?

Ein Quinqui ist die spanische Variante des Gesetzlosen, der Randfigur, des Underdogs. Billy the Kid wäre ein amerikanischer Quinqui. Sie gibt es in Spanien heute nicht mehr, die meisten sind wegen Heroin oder an Aids gestorben. Während der Transición tauchten sie überall auf, machten Schlagzeilen – sie waren so etwas wie die Schattenseite der Erneuerung. Eine Entsprechung fänden sie heute in den Indignados, mit Unterschieden. Die benachteiligten Jugendlichen meiner Generation hatten kaum Schulbildung, konnten sich nur mit Gewalt artikulieren. Heute haben sie mehr Ressourcen, wie man an den Demos sieht.

Continue reading

Kanaren: Suche nach Öl begann trotz Protests

Schemabild der Gebiete, in denen der Mineralölkonzern Repsol nach Erdöl- und Erdgas bohren will. Quelle: www.canariasdicenoarepsol.com
Schemabild der Gebiete, in denen der Mineralölkonzern Repsol nach Erdöl- und Erdgas bohren will. Quelle: www.canariasdicenoarepsol.com

Der Standard, 19.11.2014 · Viele der zwei Millionen Bewohner der Kanarischen Inseln kennen sie, die Koordinaten 28° 33′ 34” N; 13° 11′ 36” W. Sie bezeichnen den Ort im Meer, an dem der spanische Erdölkonzern Repsol seit Mittwoch Probebohrungen durchführt. Insgesamt soll es acht davon geben. Rund 50 Kilometer vor Lanzarote und Fuerteventura werden Erdöl- und Erdgasvorkommen vermutet.

Die Bevölkerung sowie die Regional- und Inselregierungen der Kanaren lehnen die Prospektionen mehrheitlich ab. Sie befürchten Umweltschäden und Gefahren für den Tourismus.

Continue reading

Die Lehre des Franziskus ist überall

Deutschlandfunk, 3.11.2014 · Mehr als 200.000 Menschen sind in diesem Jahr schon zu einer Pilgerreise auf dem Jakobsweg im Norden Spaniens aufgebrochen. Vor 800 Jahren tat dies auch Franziskus von Assisi. In Santiago de Compostela widmet sich im Jubiläumsjahr nun eine internationale Kunstausstellung dem heiligen Franziskus.

Jorge Barbi: «En el final del camino», Am Ende des Wegs. Installation auf dem Friedhof von Bonaval, Santiago de Compostela, 2014
Jorge Barbi: «En el final del camino», Am Ende des Wegs. Installation auf dem Friedhof von Bonaval, Santiago de Compostela, 2014.

http://www.deutschlandfunk.de/jakobsweg-die-lehre-des-franziskus-ist-ueberall.886.de.html?dram:article_id=302074

Moschee oder Kathedrale?

Deutschlandfunk, 24.10.2014 · Die andalusische Stadt Córdoba lebt von ihrem maurischen Erbe. Die einstige Moschee gehört weltweit zu den größten Sakralbauten. Nach der Eroberung der Stadt durch die Spanier wurde eine Kirche eingebaut. Damit vereint das Bauwerk maurische und christliche Kultur, was besonders in Zeiten wachsender Kirchenkritik und islamistischer Bedrohung zu Konflikten führt.

http://www.deutschlandfunk.de/konflikt-im-weltkulturerbe-cordoba-moschee-oder-kathedrale.886.de.html?dram:article_id=301210

Die Rückkehr der Tiere

Deutschlandradio, Sendung Weltzeit, 13.10.2014 · Tierschutz oder Tourismus? Im Frühjahr ist im rumänischen Tarcu-Gebirge eine Herde Wisente ausgewildert worden. Die Bewohner der umliegenden Dörfer freut es: Sie hoffen, dass mit den Tieren auch die Touristen kommen.

http://www.rewildingeurope.com/wp-content/uploads/2014/07/DSC_1086-690x458.jpg
Europäische Bisons im Tarcu Gebirge, Rumänien. Foto: Adrian Grancea

http://www.deutschlandradiokultur.de/rumaenien-die-rueckkehr-der-tiere.979.de.html?dram:article_id=299852

http://www.rewildingeurope.com

Spanische Spuren des Schwarzen Tods

Neue Zürcher Zeitung, 6.10.2014 · 120 Skelette belegen erstmals, dass die Beulenpest auch in Spanien gewütet hat. Der Pandemie fiel im Mittelalter fast die Hälfte aller Europäer zum Opfer.

Der Schwarze Tod, dem im 14. Jahrhundert bis zur Hälfte aller Europäer zum Opfer fielen, hat auch jenseits der Pyrenäen gewütet. Ausgrabungen in der gotischen Kirche Sants Just i Pastor in Barcelona scheinen nun erstmals auch archäologisch zu belegen, was Zeitdokumente bereits berichten. Mindestens fünf Pestwellen sind zwischen 1348 und 1375 über die Stadt gezogen, die damals schon ein bedeutender Mittelmeerhafen war.

Continue reading

Geistig entspannt: Menorca im Miró-Modus

Der Standard, 5.10.2014  · Seine Nachbarn hat Joan Miró zu Lebzeiten nie besucht. Mit 40 wilden Spätwerken kommt der Wahl-Mallorquiner nun zum ersten Mal nach Menorca.

“Personnages” (“Figuren”) ist eines von 40 Spätwerken Mirós, die derzeit auf Menorca zu sehen sind. Foto: successió miró, 2014

Die Insel hätte Joan Miró gefallen, mit ihren kugeligen Büschen, die noch nie jemand gestutzt hat, den wilden Olivenbäumen und dem weiten Himmel, der rund um Menorca das Meer berührt. In den beiden Städtchen Ciutadella und Maó geht es ruhig zu, das grüne Land dazwischen ist durchzogen von Wanderwegen, Feldmauern und weiß getünchten Häusern. Von Mallorca aus ist es nur ein Katzensprung, eine halbe Stunde im Flieger oder zwei Stunden im Schiff. Cituadella liegt am westlichsten Zipfel Menorcas und ist somit der großen Nachbarinsel am nächsten. Und dennoch hat es Miró in den 27 Jahren, die er auf Mallorca lebte, nie geschafft, Menorca zu besuchen.

Continue reading