Die Geier treibt der Hunger um

WDR 5 Leonardo, 4.1.2017 · Die meisten europäischen Geier leben in Spanien. Offenes Weideland, extensive Viehwirtschaft und schroffe Gebirge boten den Aasfressern jahrhundertelang ideale Lebensbedingungen. Doch nun finden Mönchs-, Gänse-, Schmutz-, und Bartgeier immer weniger Futter. Manche treibt der Hunger sogar bis nach Deutschland.

foto: brigitte kramer

http://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr5/wdr5-leonardo/audio-wdr–leonardo-ganze-sendung–272.html

Ab 1:09 min.

 

Kirche soll Steuern zahlen

Deutschlandfunk, 9.1.2017 · Leere Kassen wegen der Kirche? Elf Milliarden Euro hat der spanische Staat 2015 der Kirche geschenkt, mit Subventionen und durch Steuerbefreiung, sagen Laizisten. Vor allem linke Politiker wollen die Privilegien der Kirche jetzt abschaffen – eine Rache für die Rolle der Kirche in der Franco-Diktatur?

Catedral Valencia
Die Kathedrale von Valencia.

Valencia, Spaniens drittgrößte Stadt. Seit den Kommunalwahlen im Mai 2015 weht ein neuer Wind: 24 Jahre lang hat die konservative PP-Partei in Valencia regiert. Nun ist eine Linkskoalition ins Rathaus eingezogen. Sie will vieles ändern – zum Beispiel das althergebrachte Verhältnis von Kirche und Politik.

Die katholische Kirche bezahlt keine Grundsteuer, weder für Kathedralen, Kirchen, Klöster, noch für Priesterwohnungen, Schulen, Internate – und auch nicht für Garagenplätze, Geschäftsräume, Hotels oder Wohnungen, die sie verpachtet oder vermietet hat.

In Valencia besitzt die Erzdiözese laut Grundstücksregister über 1.200 Gebäude, von denen sie nur rund 150 religiös nutzt. Rund drei Millionen Euro gehen Valencia jedes Jahr verloren, weil die Kirche keine Grundsteuer zahlen muss. Ramon Vilar ist Stadtrat für Finanzen. Er spricht von “mittelalterlichen Privilegien”:

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Gutes vom Grund

Was den Deutschen das Fondue ist, sind den Spaniern zum Jahreswechsel Muscheln: Die besten kommen aus Galicien, gegessen werden sie vor allem in Madrid

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Muschel suchen in Galicien vor allem Frauen. Die Arbeit lässt Zeit für andere Dinge, zum Beispiel um das Mittagessen für die Kinder zu kochen. Foto: Brigitte Kramer

Süddeutsche Zeitung, 29.12.2016 · Madrid ist der größteMeerhafen des Landes, sagen die Spanier. Dabei gibt es hier weit und breit kein Meer. Aber in Madrid haben die Leute das Geld, um sich Steinbutt,Meeraal, Brassen und Seeteufel zu kaufen. Oder Entenmuscheln, Schwertmuscheln, Kaisergranat, Samtkrabben, Seespinnenundviele andere Delikatessen, für die es im Deutschen keine Namen gibt. Deshalb werden die besten Fische und Meeresfrüchte seit jeher in die Hauptstadt geschickt. Für María Alfonso ist das ein großes Glück. Die 48-Jährige ist Hausfrau. Und einen Teil des Jahres zudem Mariscadora, Muschelsammlerin. Und als solche staunt sie immer wieder, wie teuer das verkauft wird,was sie mitdemRechen ausdemsandigen Meeresboden kratzt. „20 Euro das Kilo“, sagt sie, „das ist eine Handvoll Muscheln. Wer kann sich das leisten?“

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Die Geier kreisen wieder. Mallorquiner retten den Mönchsgeier

BR Radio Reisen, 9. Oktober 2016 (ab Min. 29’14) · Es ist der größte Greifvogel Europas und fast wäre er ausgestorben: Der Mönchsgeier. Auf Mallorca gibt es die einzige Inselpopulation dieser eleganten Flugkünstler. Doch gnadenlose Verfolgung durch unwissende Bauern und der Vormarsch des Tourismus machten den Aasfressern zu schaffen. Wie es die Mallorquiner geschafft haben, den Mönchsgeier vor dem Verschwinden zu retten, ist eine rare Erfolgsgeschichte im Spannungsfeld Mensch und Natur.

Mönchsgeierpaar an der Küste Mallorcas. Fotos: Conselleria Medi Ambient, Govern Balear

http://www.br.de/radio/bayern2/kultur/radioreisen/spitzbergen-kreuzfahrt-muellsammeln-plastik-100.html

 

Auch ein lebender Wolf ist ein guter Wolf

Spanien hat die meisten Wölfe Westeuropas. Nicht alle freut das. Im Norden werden immer mehr Tiere zur Jagd freigegeben. Eine Provinz dort will nun das Mensch-Wolf-Verhältnis entspannen.

situacionDer Standard, 29.9.2016 · Wird er genannt, dann kommt er auch. Das gilt in der spanischen Provinz Zamora nicht nur für den Teufel, sondern auch für den Wolf. Legenden, Aberglauben und tief verankerte Ängste spiegeln sich bis heute in der Sprache der Region wider: Es gibt mehr als 70 Ausdrücke, um über ihn zu reden, ohne ihn zu erwähnen.

Noch ist Zamora selbst für viele Spanier ein weißer Fleck auf der Landkarte. Das könnte sich bald ändern, denn die ländliche, dünn besiedelte Provinz 250 Kilometer nordwestlich von Madrid arbeitet an ihrem Ruf als Wolfsgebiet. Zamora will Naturfreunde mit einem neuen Wildpark anlocken. Die Provinz bezieht damit Stellung im Streit zwischen Wolfsfreunden und -feinden. Spanien hat die größte Wolfspopulation Westeuropas. Nach Angaben des WWF Österreich von 2014 leben auf der Iberischen Halbinsel etwa 2.500 Tiere, davon die meisten in den Bergen von Zamora.

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Sóller entdeckt alte Orangensorten wieder

BR, Juli 2016 · “Eierhintern” oder “kleines Blatt”, so heißen Orangensorten aus Sóller. Doch jahrzehntelang ließen die Bauern ihre Ernte verfaulen. Jetzt entdecken die Mallorquiner die alten Sorten wieder – und damit auch ein Stück ihrer Identität.

Orangenplantage auf Mallorca | Bild: ecovinyassa
FOTO: ecovinyassa

Im Tal von Sóller, an Mallorcas steiler Westküste, sieht man Orangen und Zitronen wohin der Blick reicht. Rundherum ragen hohe Gipfel in den Himmel, dazwischen liegt ein grün-gelb-orangefarbener Flickenteppich. 130 Hektar sollen hier mit Zitrusfrüchten bepflanzt sein.

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Nachdenkliche Botschaft auf dem Meeresboden

BR/WDR Juni, Juli 2016 · Wer das neuesten Museum auf Lanzarote sehen will, muss untertauchen. 60 Skulpturen hat der Künstler Jason deCaires Taylor in der Tiefe verankert. Dabei kommt mehr heraus als nur ein PR-Gag. Die Statuen regen zum Nachdenken an.

http://www.br.de/radio/bayern2/kultur/radioreisen/lanzarote-kunst-unterwasser-110~_v-img__16__9__l_-1dc0e8f74459dd04c91a0d45af4972b9069f1135.jpg?version=2fd05
FOTO: Museo Atlántico / Jason deCaires Taylor

Ein Schlauchboot, darin sitzen, liegen, kauern Figuren mit afrikanischen Gesichtszügen. Sie scheinen im offenen Meer zu treiben. Einer der Flüchtlinge schaut noch erwartungsvoll nach vorn, hofft wohl auf Rettung am Horizont. Die anderen scheinen resigniert zu haben. “Das Boot von Lampedusa” heisst die Gruppe.

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Im Gegenwind

Vielerorts ist der Mönchsgeier ausgestorben. Ausgerechnet auf der Touristeninsel Mallorca hat er überlebt.

Ein Mönchsgeier (links), neben einem Gänsegeier in den Bergen Mallorca. Foto: Sebastià Torrens
Ein Mönchsgeier (links), neben einem Gänsegeier in den Bergen Mallorca. Foto: Sebastià Torrens

Süddeutsche Zeitung, 4.8.2016 · Immer, wenn Martí Solivellas den Geier über seinem Haus kreisen sieht, wird ihm warm ums Herz. “Sehen Sie?”, sagt Solivellas und deutet nach oben, “was für eine Spannweite!” Um den Bauern herum laufen seine zwei Collies, Solivellas aber hat nur Augen für den Mönchsgeier. “Der hat heute eine gute Thermik da oben.” Der Bauer kneift die Augen zusammen, sieht genauer hin. Nun klingt er etwas beunruhigt. “Normalerweise sind sie immer zu zweit unterwegs.” Heute ist der Geier allein.

Martí Solivellas und seine Frau Antònia Bibiloni leben denn auch wortwörtlich allein unter Geiern. Alle Nachbarn sind weggezogen, erzählt das Bauernehepaar. Der Hof steht in einem geschlossenen Hochtal im Norden Mallorcas, nur vier Kilometer vom Pilgerkloster Lluc entfernt. Rund herum ragen die höchsten Berge der Insel in den blauen Himmel. Und zwischen den Gipfeln, über Olivenplantagen, Gemüsebeeten und Obstbäumen, über einem Dreschplatz und unbebauten Feldern, über Schafen, Hühnern und Gänsen, über dem Blumengarten und dem alten Bauernhaus, wo das Paar seit fast 40 Jahren lebt, da kreist, mit einer Spannweite von fast drei Metern, entspannt ein Mönchsgeier.

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Europa erforscht Makaronesiens Naturschätze

Die Inseln im Atlantik sind sehr artenreich: Wale und Delfine lieben die Kanaren, die Azoren und Madeira

Ein verletzter Pottwal nach einer Kollision mit einer Fähre vor den Azoren. Foto: Alexander Goebel
Ein verletzter Pottwal nach einer Kollision mit einer Fähre vor den Azoren. Foto: Alexander Goebel

Der Standard, 6.6.2016 · Eine der artenreichsten und zugleich kaum erforschten Regionen Europas wird derzeit von Wissenschaftern untersucht. Das EU-Projekt nennt sich Mistic Seas und soll bis Mitte 2017 erste Informationen zum Leben rund um Makaronesien bringen, eine Region, die die europäischen Atlantikinseln Azoren, Madeira und Kanaren einschließt. Unter anderem werden große Meeressäuger erfasst und beobachtet.

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Gott mit dem Verstand erfassen

Deutschlandfunk, Tag für Tag, 11.5.2016 · Vor 700 Jahren starb der mallorquinische Gelehrte Raimundus Lullus. Er wollte die Ungläubigen bekehren – aber nicht mit Waffen, sondern mit Worten. Noch heute beschäftigen sich Theologen, Philosophen und Sprachwissenschaftler mit seinem verqueren Denken. Vieles, was er schrieb, wurde einst nicht verstanden – und ist bis heute schwer verständlich, aber wegweisend.

 

Raimundus Lullus Denkmal an der Kathedrale La Seu in Palma de Mallorca (imago/ R. Wittek)
Raimundus Lullus Denkmal an der Kathedrale La Seu in Palma de Mallorca (imago/ R. Wittek)

http://www.deutschlandfunk.de/der-mittelalterliche-denker-raimundus-lullus-gott-mit-dem.2540.de.html?dram:article_id=351826