World-Pride-Parade: Madrid unter dem Regenbogen

Die World-Pride-Parade findet dieses Jahr in Madrid statt. Damit in diesen Tagen drei Millionen Schwule und Lesben feiern können, musste vor 40 Jahren der Kampf für Gleichberechtigung beginnen.

Der Standard, 19.5.2017 · “Visit Chueca” steht auf einem bunten Faltblatt, das derzeit in vielen Bars und Restaurants in Madrid ausliegt. Fotos von Männern mit Waschbrettbauch und gestählten Brustmuskeln, in Tangas oder Lederhosen, dazwischen Kleinanzeigen für dies und das, Sexshops, Fetischbars, Gleitmittel. Im Stadtteil Chueca scheint die Sünde zu leben. Benannt ist er nach einem Platz, der den Namen des Komponisten Federico Chueca trägt. Der Musiker lebte im 19. Jahrhundert, heute kennt ihn kaum mehr jemand.

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Madrids buntestes Metrostation Chueca, im gleichnamigen Schwulenviertel

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Guter Fang

Auf Mallorca können Gäste Fischer bei der Arbeit begleiten – gegen Bezahlung. Romantisch ist so ein Ausflug nicht. Aber er gibt gute Einblicke in ein nicht unumstrittenes Gewerbe.

Süddeutsche Zeitung, 11.5.2017 · Lärm. Ununterbrochen. Stundenlang. Ein lautstarker Motor treibt das Schiff hinaus vor die Küste Mallorcas. Es ist fünf Uhr morgens. Zum Reden sind die drei Seeleute und der Kapitän noch zu müde. Es wäre sowieso zu laut. Nur in der Kombüse und auf der Kapitänsbrücke kann man sich einigermaßen unterhalten. Aber Fischeridylle darf eben auch nicht erwarten, wer auf einem 20 Meter langen Schleppnetz-Trawler aufs Meer hinausfährt.

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Auf dem Trawler Nuevo Pep Domingo vor der Küste Mallorcas.

Neuerdings nehmen Mallorcas Fischer Touristen mit, für Geld, klar. Das Versprechen heißt: Brise in den Haaren spüren, über das Wasser gleiten, die Fischer an ihrem Arbeitsplatz erleben. Hier, auf dem Trawler Nuevo Pep Domingo, teilen sie die Kombüse mit den Touristen, braten ihnen frisch gefangenen Fisch, zeigen ihnen, wie man die Netze auslässt und einholt, wie man den Fang sortiert, welche Fische vor der Küste leben. Und der Gast lernt, warum Fisch eigentlich viel teurer sein müsste, als er ist. Die Arbeit auf einem Trawler, das sind lange, harte Schichten. “Wir wissen, wann wir anfangen, aber wir wissen nicht, wann wir aufhören”, sagt der Seemann Mohamed. “Wir fahren so lange, bis die Kühltruhe voll ist.”

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Leuchtgebiete

Mallorcas alte Wachtürme dienten zur Abwehr von Piraten. Nun sollen sie renoviert und zugänglich gemacht werden – mit Aussichtsgarantie.

 

Süddeutsche Zeitung, 25.4.2017 · Anfang dieses Jahres ging ein Leuchten um Mallorca. 24 alte Wachtürme sandten nacheinander ein Lichtsignal aus. Rote Punkte glühten auf, im Dunkel der Nacht, und erloschen kurz darauf wieder. Es war ein Test. Ein paar Mallorquiner wollten wissen, ob das einstige Überwachungssystem an der Küste noch funktionierte. Das tat es. “Wir wollten auf den schlechten Zustand der Türme aufmerksam machen”, sagt der Mathematiklehrer Pep Lluís Pol, einer der Veranstalter der Leuchtfeuer-Aktion. “Sie müssen erhalten bleiben, denn sie gehören zu unserem historischen, landschaftlichen und emotionalen Erbe.”

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Öko-Kaugummi der Maya als nachhaltige Geschäftsidee

Der Standard, 4.4. 2017 · “Chicleros” in Mexiko zeigen, wie nachhaltiges Wirtschaften funktioniert: 1.500 Genossenschafter ernten in der Selva Maya den Milchsaft des Breiapfelbaums, aus dem der weltweit einzige kommerziell vertriebene Biokaugummi hergestellt wird.

Kaugummi_2cEr wird bis zu 30 Meter hoch, ist dichtbelaubt und immergrün. Unter seiner furchigen Rinde fließt ein Milchsaft, den schon die Maya schätzten: Er ist süßlich und bekömmlich, und man kann auf ihm, hat man ihn erst eingedickt, wunderbar kauen. Jetzt, 2.000 Jahre später, kauen Menschen in mehr als 30 Ländern auf dem Chicle genannten Milchsaft des Chicozapote (auch Breiapfelbaum oder Manilkara zapota). Das Revival ist vor allem Manuel Aldrete zu verdanken, einem 55-jährigen Mexikaner, der vor acht Jahren das Consorcio Chiclero gegründet hat. Heute sind in dem Kaugummikonsortium 40 Genossenschaften mit etwa 1.500 Mitgliedern organisiert. Gerodet wird nicht.

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Feuerbakterium bedroht Europas Olivenbäume

In Süditalien sind dem Erreger bereits Millionen Bäume zum Opfer gefallen, nun droht er auch Mallorcas Landschaft zu verändern.

Befallene OlivenbäumeDer Standard, 30.3.2017 · Zuerst gingen die Kirschbäume und die Oleanderbüsche ein. Ihre Blätter wurden braun. Das war im Dezember. Damals hieß es noch, Mallorcas Oliven- und Mandelbäume seien nicht bedroht von der sonderbaren Krankheit. Doch das ist nun überholt. Nach ersten Stichproben mussten bis März mehr als 140 Bäume auf Mallorca, Menorca und Ibiza gefällt und verbrannt werden. Auslöser für ihren Tod ist Xylella fastidiosa, ein ursprünglich in den USA verbreitetes Bakterium, das vor allem von Zikaden übertragen wird. Es soll vor ein paar Jahren mit einer infizierten Kaffeepflanze nach Europa gelangt sein. Wird die Epidemie nicht schnell eingedämmt, könnte sie die Landschaft grundlegend verändern und Mallorcas Tourismus und der Landwirtschaft einen schweren Schlag versetzen. In Süditalien sind dem Feuerbakterium seit 2013 bereits Millionen Olivenbäume zum Opfer gefallen. Die Krankheit ist dort noch nicht unter Kontrolle und frisst sich jedes Jahr etwa 30 Kilometer weiter in Richtung Norden. Mehr als 500.000 Hektar sind infiziert. Sollte die Epidemie auf den Balearen ähnlich verlaufen, haben nicht nur die Inseln allen Grund zur Panik, sondern ganz Europa. Da sich die Krankheit erst lange nach der Infektion zeigt, ist sie schwer zu bekämpfen. Sind die Blätter erst einmal braun, ist es zu spät. Pflanzenschutzmittel gibt es derzeit keine: Zikaden, die sich von Baumsaft ernähren, verbreiten den Erreger, wenn sie die Bäume ansaugen. Das Bakterium dringt dann in die Leitgefäße für Wasser ein und lässt diese verstopfen: Die Bäume verdursten.

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ETA-Terroristen geben die Waffen ab

NZZ am Sonntag, 9.4.2017 · Die baskische ETA hat ihre letzten Waffenverstecke preisgegeben. Ihr Ende ist besiegelt. Doch Spaniens Regierung fordert mehr.

Der Auflösungsprozess der spanischen Terrorgruppe ETA (Baskenland und Freiheit) schreitet weiter voran. Mittelsmänner der Organisation haben gestern Samstag der französischen Polizei die Standorte von acht Waffenlagern in Südfrankreich bekanntgegeben. Laut Presseberichten wurden in Grenznähe zu Spanien 118?Schusswaffen, fast 3000 Kilogramm Sprengstoff sowie Zünder und Munition gesichert. Es sollen die letzten Lager sein, auf die die Organisation noch Zugriff hatte. Am Freitag hatte sich die Gruppe in einer Mitteilung an den britischen Sender BBC bereits als «entwaffnete Organisation» bezeichnet.

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Singvögel werden in Spanien für “Silvestrismo” gefangen

WDR 5 Leonardo, 27.2.2017 · Geschätzte 40.000 Spanier pflegen ein Hobby namens Silvestrismo: Sie fangen Singvögel und richten sie für Gesangswettbwerbe ab. Sie verstoßen damit gegen die europäische Vogelschutzrichtlinie, Brüssel ließ die Tradition aber jahrelang als Ausnahme gelten. Doch jetzt ist Schluss: Europa leitet ein Sanktionsverfahren ein und drängt auf ein endgültiges Verbot. In Belgien, Frankreich oder Malta konnte das schon durchgesetzt werden.

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Pablo López und Juan Álvarez, zwei von rund 40.000 spanischen Vogelzüchtern.

http://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr5/wdr5-leonardo/audio-wdr–leonardo-ganze-sendung–348.html

Finken habt Acht!

Der Standard, 7.12.2016 · Eine spanische Tradition gefährdet Europas Singvögel. Weil sie gelehrig sind, werden sie im Herbst gefangen und für Gesangswettbewerbe abgerichtet. Brüssel leitet jetzt ein Sanktionsverfahren ein, denn Spanien verstößt seit Jahren gegen europäische Vogelschutzrichtlinien.

Das Halten von singenden Stubenvögeln hat in Spanien Tradition. Züchter Juan Álvarez ist ein begeisterter “Silvestrista”.

Zu Mozarts Zeiten hielt man sie noch für lustige Gesellen. Heute gelten Vogelfänger wie Papageno als Umweltsünder und werden bestraft. Die Europäische Kommission hat Ende September nach mehreren Ermahnungen ein Sanktionsverfahren gegen Spanien eingeleitet: Zu viele wild lebende Singvögel werden dort “aus Tradition” gefangen, heißt es in einem Scheiben der Generaldirektion Umwelt. Das Halten von singenden Stubenvögeln hat in Spanien tatsächlich Tradition. Manche behaupten, die Araber hätten die Leidenschaft im 8. Jahrhundert nach Spanien gebracht. Im Prado Museum ist das Ölbild “Caza con reclamo” (Jagd mit Lockvogel) zu sehen, das Francisco de Goya 1775 gemalt hat und bis heute hängen an vielen Balkonen und Hauswänden von Cafés und Geschäften winzige Holzkäfige mit Singvögeln. Ihr lebendiger Gesang soll Kunden anlocken.

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Die Geier treibt der Hunger um

WDR 5 Leonardo, 4.1.2017 · Die meisten europäischen Geier leben in Spanien. Offenes Weideland, extensive Viehwirtschaft und schroffe Gebirge boten den Aasfressern jahrhundertelang ideale Lebensbedingungen. Doch nun finden Mönchs-, Gänse-, Schmutz-, und Bartgeier immer weniger Futter. Manche treibt der Hunger sogar bis nach Deutschland.

foto: brigitte kramer

http://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr5/wdr5-leonardo/audio-wdr–leonardo-ganze-sendung–272.html

Ab 1:09 min.

 

Kirche soll Steuern zahlen

Deutschlandfunk, 9.1.2017 · Leere Kassen wegen der Kirche? Elf Milliarden Euro hat der spanische Staat 2015 der Kirche geschenkt, mit Subventionen und durch Steuerbefreiung, sagen Laizisten. Vor allem linke Politiker wollen die Privilegien der Kirche jetzt abschaffen – eine Rache für die Rolle der Kirche in der Franco-Diktatur?

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Die Kathedrale von Valencia.

Valencia, Spaniens drittgrößte Stadt. Seit den Kommunalwahlen im Mai 2015 weht ein neuer Wind: 24 Jahre lang hat die konservative PP-Partei in Valencia regiert. Nun ist eine Linkskoalition ins Rathaus eingezogen. Sie will vieles ändern – zum Beispiel das althergebrachte Verhältnis von Kirche und Politik.

Die katholische Kirche bezahlt keine Grundsteuer, weder für Kathedralen, Kirchen, Klöster, noch für Priesterwohnungen, Schulen, Internate – und auch nicht für Garagenplätze, Geschäftsräume, Hotels oder Wohnungen, die sie verpachtet oder vermietet hat.

In Valencia besitzt die Erzdiözese laut Grundstücksregister über 1.200 Gebäude, von denen sie nur rund 150 religiös nutzt. Rund drei Millionen Euro gehen Valencia jedes Jahr verloren, weil die Kirche keine Grundsteuer zahlen muss. Ramon Vilar ist Stadtrat für Finanzen. Er spricht von “mittelalterlichen Privilegien”:

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